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Stabilitätspakt in der Krise

05.12.2007 STARKER EURO - SCHWACHER DOLLAR

Den ’richtigen’ Kurs gibt es nicht

In der Ökonomie ist es zuweilen wie in einer Beziehung: Jedem recht machen kann man es kaum. Das gleiche gilt auch für den Euro-Kurs. Noch vor seiner Einführung wurde der Neuling als Weichwährung vorverurteilt; nun meckern viele, dass er härter als die D-Mark ist. Dabei hat die Eurozone durchaus auch Vorteile durch den hohen Wechselkurs.

Im Kleinen spürt es derzeit jeder USA-Tourist: Schon jetzt verbuchen Reisebüros eine deutliche Zunahme von Kurztrips jenseits des großen Teiches - schließlich war eine Levis selten so billig. Im größeren Stil merken e auch die Unternehmen. So beispielsweise beim Öl, dessen Preisanstieg in der jüngeren Vergangenheit so manchen ins Schwitzen gebracht hatte. Denn auf den Weltmärkten wird das schwarze Gold in Dollar bezahlt. Ohne den hohen Eurokurs müssten also viel mehr bluten. Schon beschwerte sich Ende November auf dem OPEC-Treffen in Riad der iranische Präsident Ahmadinedschad: „Sie bekommen unser Öl - und geben uns dafür wertloses Papier."

Aber der Export dürfte darunter leiden, werfen nun viele ein. Das stimmt, jedoch nur die Auslandsgeschäfte, die in Dollar gehandelt werden. Allerdings geht die Mehrheit der Exporte in die EU-Mitgliedsländer - da ist der Wechselkurs zum Greenback ziemlich Schnuppe.

Mit ein Grund für den Dollar-Verfall ist, dass immer mehr Volkswirtschaften - allen voran China - ihre Devisenreserven umschichten: weg von der Dollar-Dominanz, und damit allzu großer Abhängigkeit, hin zum Euro. So etwas nennt man eigentlich Risiko-Diversifikation - in der Wirtschaft eigentlich alltäglich. Und eigentlich ja auch ein Vertrauensbeweis für die noch relativ junge Währung.

Wirtschaftshistorisch ist der Prozess auch nicht neu: In der Antike regierte der Dinar, in der Frühen Neuzeit der Gulden, und im 19. Jahrhundert war das Britische Pfund das Maß aller Devisen-Dinge. Erst nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich der Dollar zur Leitwährung. Nun nimmt die Bedeutung des Euro im Vergleich zum Dollar zu - ob er auch die Funktion einer Leitwährung übernehmen wird, ist derzeit jedoch ungewiss. Immerhin: Selbst frühere Kritiker schwenken nun um, wie beispielsweise der frühere Chef der US-Zentralbank Alan Greenspan, der in seinen Memoiren der Einheitswährung seinen Respekt zollt. Vielleicht wird in einer fernen Zukunft ja eine asiatische Gemeinschaftswährung die neue Leitfunktion antreten.

In diesem Transformationsprozess lauern sicherlich einige Gefahren: so zum Beispiel eine Weltwirtschaftskrise, ausgelöst durch einen zu raschen Dollar-Verfall. Dieser könnte die zum großen Teil auf Pump aufgebaute Volkswirtschaft der USA zum Platzen bringen. Für Europa bedeutete das die Gefahr importierter Inflation. Die Banker der EZB befinden sich in der Zwickmühle: Die Preissteigerungsrate müssten sie durch höhere Zinsen bremsen, doch dadurch erhöhen sie auch den Wert des Euro gegenüber dem Dollar, und würden so den Kursverfall beschleunigen. Auf solche Gefahren gilt es zu achten, und darauf besonnen und als Gemeinschaft zu reagieren - am besten die USA, die EU, und die Asiaten zusammen.

Dieser Anpassungsprozess mag nicht jedem schmecken, doch so ist die Wirtschaft eben. Wie im Leben gilt es, sich den Gegebenheiten anzupassen, und das Beste daraus zu machen. Denn sind wir doch mal ehrlich: Eigentlich gibt es wohl nie einen "richtigen" Kurs, der es allen recht machen könnte - weder für eine Währung, noch für eine Beziehung.

pisacane@europolitan.de

 

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