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02.05.2006Putin schließt Pipeline-Deal mit China: Veto-Mächte unter sich

Energie-Achse aus Fernost

Vor rund zwei Wochen bereiste eine russische Delegation mit Präsident Putin an der Spitze Chinas Hauptstadt Peking. Heraus kamen 29 Wirtschaftsverträge, eine Öl- und zwei Gas-Pipelines. Das wirtschaftliche Bündnis birgt politische Tragweite.

Vordergründig spielte der politische Aspekt bei Putins Staatsbesuch in Peking vor rund zwei Wochen nur eine sehr untergeordnete Rolle. Der offizielle Besuch endete mit einer politischen Deklaration, die Staatsoberhäupter Wladimir Putin und Hu Jintao feierlich unterzeichneten. Denn freilich: Erstmal hatten sich die beiden Präsidenten ums Geschäft gekümmert. Und das nicht zu knapp. 

Geschäfte in großem Stil 

Es ist ein Milliardengeschäft zwischen staatlichen Energiekonzernen, das infolge der russischen Peking-Reise zustande gekommen ist. Das wiederum ist keine Überraschung für Wirtschaftsexperten, erste Vorab-Vereinbarungen waren bereits bei einem früheren Hu-Jintao-Besuch in Moskau getroffen worden. Insofern wurde vom China-Besuch der russischen Delegation mehr erwartet als nur die geplante Teilnahme an der Eröffnungszeremonie des Pekinger Russland-Jahres.   

Die Tragweite der sich anbahnenden Geschäfte wurde allerdings erst dann endgültig klar, als das Flugzeug der russischen Delegation am Pekinger Flughafen landete. Wie sich herausstellte, begleiteten mehr als hundert Politiker und Geschäftsleute den russischen Präsidenten auf seiner Reise, darunter die absolute Elite der neuen kremlnahen Oligarchen, Gasprom-Chef Aleksej Miller und RAO-Boss Anatolij Tschubajs zuvorderst. 

Milliarden-Poker um Öl und Gas 

Die unterzeichneten Verträge zwischen den staatlichen Energiekolossen machen indessen Russland innerhalb der nächsten 15 Jahre zum größten Erdöl- und Gaslieferanten Chinas. „Russland verpflichtet sich zum Bau zweier Gaspipelines, wodurch etwa 60 bis 80 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich nach China fließen können“, vermeldete Gasprom-Chef Miller nach der Übereinkunft mit dem chinesischen Energieriesen CNPC.  

Laut Expertenschätzungen wird das China-Geschäft Gasprom jährlich 9 bis12 Milliarden Dollar Umsatz bescheren. Dabei wird die erste Gaspipeline vom Uralgebirge aus über die Altaj-Region nach China verlaufen, während die zweite Pipeline die Gaszufuhr von der Insel Sachalin über den russischen Osten nach China ermöglicht.  

Aufträge für die Versorgungssicherheit 

Ein weiterer Vertrag zwischen CNPC und dem russischen Erdölkonzern Transneft sieht eine Abzweigung der Erdölleitung Ostsibirien-Pazifischer Ozean vor. Der Bau des neuen Pipeline-Astes wird sowohl von russischer, als auch von chinesischer Seite finanziert – wie CNPC-Chef Chen Gen und Transneft-Chef Semen Weintschok erklärten. Chinas Erdöl-Bedarf ist enorm: Prognosen zufolge wird China 2025 etwa 710 Millionen Tonnen jährlich verbrauchen. 

Nach Angaben der chinesischen Behörde für Statistik betrug der chinesische Verbrauch 2005 rund 300 Millionen Tonnen Erdöl, für 2006 wird ein Bedarf von 328 Millionen Tonnen prognostiziert. Dabei kann sich China mit 170 Millionen Tonnen Erdöl selbst versorgen, daher rechnen chinesische Experten auch mit einer stetig ansteigenden Importabhängigkeit bei den Energieressourcen.  

Russlands Konzern Rosneft hat darüber hinaus mit CNPC die Bildung von russisch-chinesischen Joint Ventures vereinbart, die sich mit dem Bau von Tankstellen und einer Raffinerie in China beschäftigen sollen.  Die geplante Raffinerie wird 10 Millionen Tonnen Erdöl jährlich verarbeiten können zirka 2 Milliarden Dollar wert sein. Das Kontrollpaket über das Gemeinschaftsunternehmen wird CNPC gehören. RAO-Chef Tschubajs hingegen schloss einen Vertrag über Stromlieferungen ab. 

Schachern der Giganten 

Laut Expertenschätzungen erhielten die russischen Konzerne infolge der nun abgeschlossenen Verträge Aufträge im Wert von rund 20 Milliarden Dollar. China, das sich bislang ausschließlich mit Erdöl aus dem Persischen Golf und dem Iran beliefern ließ, gewinnt mit den neuen Importmöglichkeiten aus Russland mehr Versorgungssicherheit hinzu.

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