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Venedig von schlimmstem Hochwasser seit 1979 heimgesucht

24.02.2009GETRÄNKEMULTI FINANZIERT RENOVIERUNG

Venedig: Coca-Cola will die Lagunenstadt als Sponsor retten

Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise hält auch in der italienischen Liebescittà Venedig Einzug. Weil der norditalienischen Lagunenstadt das Geld zur Renovierung ihrer historischen Paläste ausgegangen ist, muss nun ein finanzierungswilliger Retter her. Und der eilt bereits in großen Schritten herbei: Der Getränkekonzern Coca-Cola erklärte sich bereit, den ehrenhaften Posten des großen Mäzens einzunehmen – und löste just eine gewaltige Welle der Kritik aus.

Es ist ein Millionendeal, den die italienische Stadt Venedig mit dem US-amerikanischen Getränkehersteller Coca-Cola ausgehandelt hat. 2,1 Millionen Euro werden auf das öffentliche Konto der unter finanziellen Nöten leidenden Stadt an der adriatischen Küste fließen, teilte Bürgermeister Massima Cacciara am vergangenen Montag mit und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der italienischen Tageszeitung 'La Stampa'. Im Gegenzug dazu darf das US-Unternehmen in den nächsten fünf Jahren zwischen 15 und 60 Getränke- und Snack-Automaten in der Tourismusstadt aufstellen. Der Vertrag soll in dieser Woche unterzeichnet werden.

Der Bürgermeister wollte jedoch partout nicht von einem „Verkauf" Venedigs an den US-Konzern sprechen. Der Politiker versprach, eine „Invasion" der Stadt mit den geplanten Getränkeautomaten um jeden Preis zu verhindern. Maurizio Calligaro, der Kabinettschef des Bürgermeisters, stärkte seinem Vorgesetzten demonstrativ den Rücken und betonte, die norditalinische Stadt werde in keinster Weise „verschandelt" werden. Unter anderem sollen die Automaten nicht das Logo des Getränkekonzerns tragen dürfen. Der Konzern solle lediglich helfen, die verfallende Palazzi zu restaurieren, so die Stadtverwaltung.

Venezianische Händler hatten sich indes über die geplante Aktion echauffiert und dem Bürgermeister via 'La Stampa' vorgeworfen, Geld „von den Multis" zu nehmen. Mehrere Gaststättenbesitzer kritisierten die Stadtverwaltung, sich an den US-Konzern regelrecht zu verkaufen und fürchten durch die Werbeaktion einen weiteren Tourismusrückgang und damit verbunden drastische Einbußen in ihrem Geschäft. 2008 wurden bereits in Folge der Wirtschaftskrise 2,5 Prozent weniger Touristen registriert als im Vorjahr. Insgesamt scheinen viele den guten Ruf der Stadt, die den Beinamen 'La Serenissma' - zu deutsch: „Die Allerdurchlauchteste" - ziert, den Canal Grande, einem der größten Kanäle in Venedig, hinabströmen zu sehen.

Der Bürgermeister hatte versucht, die über ihn ergangene Kritik abzufedern und darauf verwiesen, Venedig habe schlichtweg kein Geld, um seine historischen Paläste zu renovieren und gleichzeitig für ein teures Schleusensystem aufzukommen. „Viele andere Städte auf der Welt schließen solche Marketingverträge auch ab", warf der Bürgermeistern den kritischen Quälgeistern bissig entgegen. Das geplante Schleusensystem MOSE, das Venedig vor Hochwasser schützen soll, wird die Stadt aller Voraussicht nach mehr als 650 Millionen Euro kosten. Dieses Geld fehlt nun scheinbar, um für die Erhaltung von Kirchen und Häusern aufzukommen.

Desweiteren argumentierten die Verantwortlichen, venezianische Hauptattraktionen und Wahrzeichen wie der Markusplatz oder die Rialto-Brücke würden von den gefürchteten Getränkebüchsen frei bleiben. Stattedessen würden die Automaten an den Anlegestellen der Vaporetti, den Fähren Venedigs, oder auf öffentlichen Parkplätzen aufgestellt. Die Turiner Tageszeitung 'La Stampa' reagierte auf derartige Friedensangebote zynisch: „Es wäre interessant, einen Ort in Venedig zu finden, an dem sich ein Kühlschrank mit Dosen nicht mit dem Rest der Umgebung beißen würden".

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Der Bürgermeister zeigte sich derweil erstaunt über die anhaltende Meinungsverschiedenheit. Bei Coca-Cola handele es sich schließlich um „eine der größten und renommiertesten Marken der Welt". Die von ihm in die Wege geleitete Vereinbarung sei nichts anderes als ein Teil einer unvermeidlichen Finanzstrategie, „um unser künstlerisches Erbe zu bewahren." Cacciara selbst soll sich stets gegen den teuren Bau des Schleusensystems gewehrt haben, das von der Regierung Berlusconi unterstützt wird und sich insgesamt auf 4,5 Milliarden Euro Kosten beläuft. (sk)

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