01_aktion_300x300
Linkbox
Artikel zum Thema
Dossiers zum Thema
Highlights zum Thema
Pressestimmen zum Thema
Bildgalerie
Robert Pattinson und Kristen Stewart in 'Twilight Eclipse': Ewiger Treueschwur
Highlights der Woche (KW 20)
Diese Seite DruckenDiese Seite weiterempfehlen
StartseiteDealsPlayersAUFSCHREI DER ENTRÜSTUNG
EU-Beitritt der Türkei: Brüssel vor großer Herausforderung

11.11.2009AUFSCHREI DER ENTRÜSTUNG

Türkei - Erdogan verteidigt Al Baschir: 'Muslime begehen keine Massenmorde'

Recep Tayyip Erdogan hat eine Lanze zugunsten des sudanesischen Präsidenten Hassan Omar Al Baschir gebrochen, gegen den wegen schwerster Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein Haftbefehl seitens des UN-Tribunals in Den Haag vorliegt. Der türkische Regierungschef erklärte am vergangenen Sonntag im Staatsfernsehen TRT, dass der Islam seinen Gläubigen ein Verbrechen wie Völkermord schlichtweg verbiete. Deswegen könne er sich nicht vorstellen, dass Al Baschir schwere Verbrechen begangen hat.

Die türkische Opposition sowie die EU verurteilten Erdogans Haltung daraufhin umgehend und forderten, Al Baschir bei seiner Ankunft in der Türkei umgehend zu verhaften. Der Sudanese sagte letztendlich jedoch seinen Besuch in Istanbul kurzfristig ab.

"Ein Muslim kann keinen Völkermord begehen", hatte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im Wortlaut beteuert. Die Türkei weigere sich daher, den sudanesischen Präsidenten Hassan Omar al Baschir aufgrund eines internationalen Haftbefehls festnehmen zu lassen, und hielt damit ihre Einladung an Al Baschir aufrecht, an einem Wirtschaftsgipfel der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) am Montag in Istanbul teilzunehmen. Erdogan selbst habe im Jahr 2006 Darfur besucht, so der türkische Premier, und "keinen Völkermord vorgefunden".

Desweiteren führte Erdogan aus, dass man Gaza und Darfur nicht verwechseln dürfe und setzte damit einen Seitenhieb auf den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, mit dem er seit dem Gaza-Feldzug seines Landes jegliche Beziehungen abgebrochen hatte. Doch nicht nur mit seiner Verteidigung Al-Baschirs erntete der Vorsitzende der islamisch-konservativen Partei Kritik der westlichen Verbündeten.

Erdogan scheint sich auch sehr gut mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zu verstehen und beschrieb ihn kürzlich sogar im Interview mit der der britischen Tageszeitung 'Guardian' als "ohne Zweifel ein Freund". Auch Ahmadinedschad war ein Teilnehmer des in Istanbul anberaumten Gipfeltreffens. Bereits im Juni hatte Erdogan die Europäer vor den Kopf gestossen, als er dem iranischen Präsidenten trotz schwerster Manipulationsorwürfe zu dessen Wiederwahl im Iran gratulierte.

Auch der türkische Präsident Abdullah Gül zeigte sich über die "Einmischung" der Europäer im Bezug auf Al Baschir irritiert und verwies darauf, dass es sich nicht um ein bilaterales Treffen handle, sondern um einen Gipfel im Rahmen der Organisation Islamischer Staaten.

Dennoch übten die EU und die USA auf die Regierung in Ankara Druck aus, um eine offizielle Absage an den Sudanesen zu bezwecken. Mehrere internationale Menschenrechtsorganisationen drohten zudem mit Protestaktionen und forderten ebenfalls die türkische Regierung auf, Al Baschir bei seiner Einreise festzunehmen. Der sudanesische Präsident sagte indessen seine geplante Anreise zum Treffen der OIC kurzfristig ab und ersparte damit der Türkei weitere Schwierigkeiten.

In der sudanesischen Krisenregion Darfur im Westen des Landes sind seit Februar 2003 nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens 200.000 Menschen ums Leben gekommen und über 2,5 Millionen vertrieben worden.

Verwandte Artikel

Nun wird in der europäischen Presse spekuliert, ob der umstrittene EU-Beitrittskandidat am Bosporus wohl einen Kurswechsel vornimmt. Obwohl Erdogan noch vor wenigen Tagen versichert hatte, dass sein Land politisch auch weiterhin fest im Westen verwurzelt sei, sendete die Türkei durch die in den vergangenen Tagen offensichtliche stärkere Hinwendung zum Osten deutlich andere Signale.

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (0)