Der russische Präsident Wladimir Putin hat verlauten lassen, dass aufgrund des geplanten US-Raketenabwehrsystems in Osteuropa, Russland gezwungen sei, zu reagieren. Demnach müssten „neue Ziele in Europa“ ins Visier russischer Raketen...
Der russische Präsident Wladimir Putin hat verlauten lassen, dass aufgrund des geplanten US-Raketenabwehrsystems in Osteuropa, Russland gezwungen sei, zu reagieren. Demnach müssten „neue Ziele in Europa“ ins Visier russischer Raketen genommen werden.
„Wenn die Amerikaner einen Teil ihres strategischen Nuklearpotenzials nach Europa verlegen und wir nach Ansicht unserer Militärexperten dadurch bedroht werden, dann sind wir gezwungen, entsprechende Gegenmaßnahmen zu unternehmen“, erklärte Putin vor internationaler Presse.
Weiterhin sagte Putin: „Man sagt uns, dass das Raketenabwehrsystem auf etwas zielt, das gar nicht existiert. Erscheint Ihnen das nicht komisch, gelinde gesagt?“ Putin verkündete, dass seiner Meinung nach weder der Iran noch Nordkorea Waffen besitzen würden, vor denen das Raketenabwehrsystem schützen solle.
Zuvor hatte General Henry Obering, Beauftragte der US-Regierung für Raketenabwehr, seine Kooperationsbereitschaft zu Russland erklärt. Dem ‚Spiegel’ sagte Obering: „Ich glaube, dass es außerordentlich sinnvoll wäre, amerikanische und russische Technologie zu kombinieren... Wenn wir uns mit Russland zusammentäten und gemeinsame Abwehrsysteme aufstellten, die im Grunde diese Waffen unbrauchbar machen würden, wäre das ein perfektes Zielkonzept.“
Im Bezug auf den Iran sowie Nordkorea vertritt General Obering eine andere Meinung. „Denken Sie an den moralischen Aspekt. Sagen wir, Nordkorea greift an, weil Kim Jong Il verrückt geworden ist. Sollen wir Millionen Nordkoreaner töten, weil ihr Führer durchgedreht ist? Und was ist, wenn in Iran eine kleine Gruppe Generäle die Kontrolle übernimmt? Was, wenn sie beschließen, ein Selbstmord-Attentat auf Staatsebene durchzuführen? Bringen wir dann Millionen von Iranern um? Im 21. Jahrhundert muss man mit Organisationen und Staaten rechnen, die nicht abschreckbar sind“, so Obering.
Unterdessen wird US-Präsident George W. Bush am heutigen Montag in der Tschechischen Republik erwartet. Am darauffolgenden Tag soll ein Treffen mit Präsidenten Vaclav Klaus und Ministerpräsidenten Mirek Topolanek sowie dem linken Oppositionschef Jiri Paroubek stattfinden, um über die geplante Aufstellung der Radarsysteme zu verhandeln.
Während das Mitte-Rechts-Bündnis das Vorhaben des US-Präsidenten unterstützt, muss allerdings das Parlament noch zustimmen. Ein landesweites Referendum lehnt Topolanek ab. Erst kürzlich haben bei Volksabstimmungen in Dörfern nahe des geplanten Stützpunktes etwa 95 Prozent gegen die Radaranlagen gestimmt.
Bundeskanzlerin Angela Merkel schlägt versöhnliche Töne zwischen den USA und Russland an. „Man könnte zum Beispiel versuchen, bestimmte technische Komponenten gemeinsam zu machen, man könnte Tests sehr transparent durchführen, Daten austauschen,“ so Merkel. (mb)