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08.03.2007Italien

Parlament winkt Afghanistan-Einsatz trotz Entführung durch

Der für die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ in Afghanistan arbeitende Korrespondent Daniele Mastrogiacomo befindet sich nach Angaben des italienischen Außenministeriums definitiv in der Gewalt der Taliban-Milizen. Der Vorfall...

Der für die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ in Afghanistan arbeitende Korrespondent Daniele Mastrogiacomo befindet sich nach Angaben des italienischen Außenministeriums definitiv in der Gewalt der Taliban-Milizen. Der Vorfall ist auch für die italienische Innenpolitik brisant, da am heutigen Donnerstag der Beschluss in der unteren Kammer des itaienischen Parlamentes über die Verlängerung des italienischen Afghanistan-Einsatzes gefallen ist. Die Abstimmung im politisch gespaltenen Senat steht allerdings noch bevor.

 

Nach Angaben der Basler Zeitung ist noch keine Taliban-Entscheidung über das Schicksal des seit dem vergangenen Sonntag vermissten italienisch-schweizerischen Journalisten Daniele Mastrogiacomo gefallen. Dem Chefredakteur der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“, Ezio Mauro, zufolge, war Mastrogiacomo in der Umgebung des im südlichen Afghanistan gelegenen Kandahar unterwegs gewesen. Zusammen mit zwei seiner afghanischen Assistenten wurde er in der Provinz Helmand festgenommen. In der Region, wo auch am vergangenen Dienstag die NATO-geführte Schutztruppe ISAF eine Offensive gegen die Taliban begann.

Der Taliban-Sprecher Kari Mohammed Yousif Ahmadi teilte der dpa am Donnerstag mit, Mastrogiacomo werde wegen Spionage für britische Truppen „angeklagt“ und habe bereits gestanden. Das italienische Außenministerium gab indessen bekannt, dass an Verhandlungen mit den Entführern erst dann zu denken sei, wenn eindeutige Beweise für die Unversehrtheit des Korrespondenten vorlägen. 

Auch die italienische Innenpolitik betreffend ist die Entführung des Journalisten äußerst brisant. Am heutigen Donnerstag hat das italienische Abgeordnetenhaus für die Fortsetzung des italienischen Afghanistaneinsatzes gestimmt. Das Gesetz, das die Finanzierung aller italienischen Auslandseinsätze regelt, wurde mit 524 zu 3 Stimmen gebilligt. Nun muss es allerdings noch vom Senat abgesegnet werden. 

Bereits im vergangenen Februar hatte die Entsendung italienischer Truppen nach Afghanistan für erhebliche Spannungen innerhalb der italienischen Regierungskoalition gesorgt, und Ministerpräsident Romano Prodi schließlich zu einem Rücktrittsangebot veranlasst. Der italienische Außenminister Massimo D’Alema warnt hingegen davor, angesichts der Entführung die Diskussion wieder anzuheizen. 

Der ‚Tagesschau’ zufolge erklärte D’Alema: „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es wäre absolut dumm, eine derart delikate Angelegenheit wie diese Entführung zu instrumentalisieren für eine Debatte über die politische Linie, die nicht durch eine Episode, so dramatisch sie auch sein mag, verändert werden kann. Es bleiben alle Gründe gültig, die dafür sprechen, diesem Land auf dem Weg zu Stabilität und Frieden zu helfen.“ (cha)

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