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Türkei jagt PKK-Rebellen jenseits Grenze: Irak und EU empört

15.10.2008NOBELPREISTRÄGER REDET TACHELES

Orhan Pamuk stellt mangelnde Meinungsfreiheit in der Türkei an den Pranger

Der türkische Schriftsteller und Nobelpreisträger Orhan Pamuk hat in seiner Eröffnungsrede zur Frankfurter Buchmesse im Beisein des türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül die große Zahl der Schriftsteller beklagt, die in den vergangenen 100 Jahren in der Türkei ermordet, verhaftet, ins Exil gedrängt oder mundtot gemacht worden sind. "Der Hang des Staates, Bücher zu verbieten und Schriftsteller zu bestrafen, hält leider an." Dies habe eine vielseitige türkische Literatur unmöglich gemacht.

„Aufgrund des Paragraphen 301 des türkischen Strafrechts, mit dem man Schriftsteller wie mich einzuschüchtern versucht, werden Hunderte von Schriftstellern und Journalisten gerichtlich belangt und verurteilt."

Auch der Zugang zum Internet sei nicht frei. Hunderte von in- und ausländischen Webseiten würden den Menschen in der Türkei aus politischen Gründen verwehrt, wie etwa der Zugang zu YouTube. Letztes Jahr habe der Autor noch in YouTube recherchieren können, doch seit diesem Jahr sei es nun nicht mehr möglich. Orhan Pamuk geht in seinem Heimatland nicht ohne Bodyguards vor die Tür, denn Nationalisten bedrohen ihn immer von neuem.

Kurz vor seiner Rede hatte Pamuk über konkrete Mordpläne gegen ihn gesprochen. Dahinter würde das ultranationalistische Netzwerk „Ergenekon" stecken, welches bereits seit längerem im Visier der Polizei steht. Die Mitglieder der Untergrundgruppe kommen aus staatsoffiziellen Strukturen, aus den Reihen der Polizei, des Militärs und der Justiz. Sie gehen militant gegen alles und jeden vor, der von ihnen als eine Bedrohung des Landes und des Türkentums angesehen wird.

Im türkischen Fernsehsender Kanal D hatte Orhan Pamuk darüber berichtet, dass ihm Sicherheitskreise mitgeschnittene Telephonate vorgespielt hätten, in denen das geplante Attentat besprochen worden sei.

Orhan Pamuk ist der Meinung, dass die Art, wie der Staat versucht, Künstler und Schriftsteller zu bevormunden, beziehungsweise mundtot zu machen, wieder negative Auswirkungen auf den Staat selbst hat.

„Den Machthabern dürfte das alles sehr recht sein, doch wir Schriftsteller, Verleger und Künstler und überhaupt jeder, der in der Türkei aktiv oder passiv am Kulturleben teilhat, vermag diese Maßnahmen allein schon deshalb nicht zu begreifen, weil unsere Kultur und Literatur doch weltweit Verbreitung finden."

Pamuks Kritik war wichtig und zeigte anhand der aktuellen Belege, dass die Türkei sich erst auf den ersten Schritten in Richtung Offenheit und Toleranz befindet. Über die innenpolitische Öffnung auch zur eigenen Geschichte und der damit verbundenen Schuld hin könnte über die literarische und künstlerische Verarbeitung zu einem neuen türkischen Selbstbewußstsein und zu einem neuen türkischen Selbstverständnis führen. Genügend Potenzial hat das Land ja - wovon man sich auf der Frankfurter Buchmesse überzeugen kann.

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„Unsere Diversität macht uns stärker." Abdullah Gül, der seine Rede nach der von Orhan Pamuk hielt, betonte die lange Wegstrecke, die von der Türkei in der jüngsten Zeit in Richtung auf Demokratie, Menschenrechte und Meinungsfreiheit bereits zurückgelegt worden sei. Jedoch gestand der Politiker in einem sehr offenen Ton, dass diese Ziele noch nicht in wünschenswertem Maße erreicht worden seien, und dass die Türkei in ihren Reformanstrengungen nicht nachlassen dürfe.

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