Die Entdeckung von Erdöl Ende der 60er Jahre weckte Norwegen aus dem wirtschaftlichen Dornröschenschlaf. Das „schwarze Gold“ aus dem Norden wird immer wichtiger - allein Deutschland bezieht zwanzig Prozent seines Energiebedarfs daraus.
Innerhalb von nur einer Generation hat Norwegen einen wirtschaftlichen Quantensprung gemacht. Aus einem armen Land, dessen Wirtschaft vor allem von Fischfang, Land- und Forstwirtschaft lebte, wurde der nach Russland zweitgrößte Erdölexporteur Europas und der drittgrößte weltweit. Möglich machte das der Fund von Öl- und Erdgasreserven in Norwegen Ende der sechziger Jahre. Da Norwegen einen großen Teil seiner Energieversorgung mit der Wasserkraft deckt, ist die größte Menge des in der Nordsee und in der Norwegischen See geförderten Öls für den Export bestimmt. Täglich werden rund drei Millionen Barrel (je 159 Liter) aus der See gepumpt, wobei Deutschland der wichtigste Abnehmer der norwegischen Energie ist. Den heimischen Markt versorgen die staatseigene Ölgesellschaft „Statoil Norge AS“, „Hydro Texaco AS“, die im Besitz von Texaco Inc. und Norsk Hydro ist, und sechs private Gesellschaften.
Petroleumfonds als Rentenrücklage
Mit dem noch jungen Wohlstand gehen die Norweger wohlüberlegt um. Ein großer Teil der Einnahmen investiert Norwegen in den „Petroleumfonds“, der das Geld in ausländischen Anleihen und Aktien anlegt. Sinn dieser Maßnahme ist einen „Notgroschen“ für ölförderungsarme Jahre. Der "Petroleumfonds" aus der Öl- und Gasförderung bescherte dem norwegischen Staat 2003 einen Zuwachs um 12,6 Prozent auf 96,5 Milliarden Euro und dem Norweger einen "Sparstrumpf" von durchschnittlich 22.000 Euro pro Kopf. Auch in Deutschland hält der norwegische Fonds Anteile an börsennotierten Unternehmen. Unter anderem besaß der norwegische Staat bis zu 0,5 Prozent der Aktien von Siemens, Allianz, Münchener Rück und der Deutschen Telekom. Im bisher erfolgreichsten Jahr 2003 erzielte der Fonds einen beachtlichen Gewinn von 12,6 Prozent.
Man schätzt, dass sich die gesamten norwegischen Ölvorräte auf 13,2 Milliarden Sm³ oe (Standardkubikmeter Öläquivalente) belaufen. Nach 35 Jahren Ölförderung ist nach Expertenmeinung ca. 75 % des Ölvorkommens verbraucht. Noch 25 Jahre könnte das „schwarze Gold“ reichen. Die Förderung des restlichen Öls stellt sich als Problem dar: Der größte Teil befindet sich in der Arktis und könnte bei geringen Mengen ausgeflossenen Öls zu einer ökologischen Katastrophe führen. Nicht nur wegen der Proteste der Umweltschützer fürchtet Norwegen dieses Szenario: Zu sehr ist die Regierung in Oslo um reiche Fischvorkommen besorgt, die einen großen Teil der Versorgung darstellen.
Großes Gasvorkommen als Rettung aus der Ölkrise
Ein Ausweg aus der kommenden Ölkrise könnten Norwegens Gasvorräte sein, die größer sind als bisher angenommen. Nach Angaben vom größten norwegischen Öl- und Gasproduzenten Statoil reichen die Vorräte für weitere 100 Jahre. "In fünf Jahren wird Norwegen die gleiche Menge Gas wie Öl produzieren", so Erling Oeverland, CEO von Statoil. Die Frage nach alternativen Energie- und Einnahmequellen lässt Norwegen bereits für die Zeit nach dem Ölreichtum forschen. In Utsira, einem Ort mit 220 Einwohnern, wurde ein Pilotprojekt gestartet. Eine neue Form von Stromnetz wurde in Betrieb genommen, das durch Windmühlen ohne fossile oder atomare Energie auskommen soll.