Am gestrigen Mittwoch hat erstmals seit knapp 50 Jahren ein griechischer Ministerpräsident die Türkei offiziell besucht. Bei seiner historischen Visite hat der griechische Premier Kostas Karamanlis zusammen mit seinem Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan einen Ausbau der Zusammenarbeit beider Länder gefordert, aber auch auf eine stärkere Achtung von Minderheitenrechten in der Türkei gepocht. Darüber hinaus betonte Karamanlis ausdrücklich, sein Land unterstütze die Türkei bei ihrer Bewerbung um einen Beitritt zur EU.
Letzterer Punkt stellte ein deutliches Zugeständnis im Rahmen der jüngsten griechischen Türkeipolitik dar. Der letzte offizielle Besuch eines griechischen Regierungschefs fand 1959 seitens Konstantin Karamanlis statt, der kurioserweise der Onkel seines heutigen Amtsnachfolgers war.
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Der 51-jährige Karamanlis rief des Weiteren Ankara dazu auf, das internationale Recht stärker zu beachten. Auch forderte der griechische Premier, das vor mehr als 30 Jahren von der Türkei geschlossene orthodoxe Priesterseminar auf der Heybeli-Insel vor Istanbul wieder zu eröffnen.
Erdogan sieht indessen seinerseits für beide Länder eine Zeit der Chancen für die wirtschaftliche, militärische und kulturelle Kooperation. „Wir müssen unsere Probleme lösen", sagte der 53-Jährige. Dazu gehöre auch die Ägäis. Dort kommt es vor dem Hintergrund eines langen Streits um den Verlauf der Seegrenze zwischen den beiden Staaten immer wieder zu Konfrontationen. Die Ägäis müsse nun zu einem Meer des Friedens werden.
Griechenland und die Türkei hatten im vergangenen Jahr ihre Zusammenarbeit im Energie-Bereich weiter ausgebaut. Eine Pipeline verbindet inzwischen die Erdgasnetze der beiden Länder. Diese birgt auch für die EU Vorteile, da sie hilft, die Erdgasersorgung abzudecken. Geplant ist eine Weiterleitung von Gas vom Kaspischen Meer durch die Türkei und Griechenland mittels einer neuen 220 Kilometer langen Unterwasserleitung nach Italien bis zum Jahr 2010. Karamanlis betonte, eine stabile griechisch-türkische Zusammenarbeit sei auch für Europa von großer Bedeutung.
Die Türkei und Griechenland waren lange Zeit verfeindet. Karamanlis will nun bis Freitag in Ankara und Istanbul bleiben und über Verbesserungen in den bilateralen Beziehungen beraten. Ein weiteres wichtiges Thema wird der Streit über die Zukunft des geteilten Zypern sein. (sw)