Der Streit zwischen Libyen und der Schweiz hat sich zu einer Krise entwickelt. Nachdem Mitte Juli Schweizer Beamte einen Sohn des libyschen Staatschefs Muammar el Gaddafi in Genf verhafteten hatten, stellte der nordafrikanische Staat nun aus Protest alle Öllieferungen an die Schweiz ein. Hannibal Gaddafi, der jüngste Sohn des 66-Jährigen, war nach zwei Tagen Untersuchungshaft wieder freigekommen. Der Ölliefer-Stopp ist der neuste Schachzug der libyschen Regierung.
Wohl als Reaktion auf diese Festnahme vor eineinhalb Wochen stoppte die nationale libysche Seefrachtgesellschaft am gestrigen Donnerstag die Erdöllieferungen an die Schweiz. Mitarbeiter der Gesellschaft demonstrierten vor der Schweizer Botschaft in Libyens Hauptstadt, und verlangten eine Entschuldigung für die Inhaftierung des jüngsten Gaddafi Sohnes. Libyen ist ein wichtiger Rohöl-Lieferant für das Land und macht circa die Hälfte der Ölimporte aus.
Jedoch ist der Boykott laut dem Schweizer Branchenverband Erdöl-Vereinigung zu bewältigen. Es werde nicht zu Warteschlangen an Tankstellen kommen. Der Benzinpreis zeigte am Donnerstag keine Reaktion auf den Öl-Konflikt.
Libyen hatte bereits vor dem Öl-Protest verschiedene Maßnahmen gegen die Schweiz ergriffen. So hatten beispielsweise die Niederlassungen der Unternehmen ABB und Nestlé ihre Büros schließen müssen, und Tripolis stellt mittlerweile keine Visa für mehr für Schweizer aus. Bern erließ daraufhin eine Reisewarnung für Libyen. Der Fernsehsender al-Arabija berichtete auch, dass Libyen seine Depots bei Schweizer Banken auflösen könnte, wenn eine offizielle Entschuldigung ausbleibe.
Ursache dieses Streits ist ganz offensichtlich die Verhaftung einer der Söhne Gaddafis und seiner Schwiegertochter. Hannibal, der jüngste Sohn des Revolutionsführers, war gemeinsam mit seiner schwangeren Frau Aline am 15. Juli in Genf festgenommen worden. Die Schweizer Behörden hatten dem 32-Jährigen vorgeworfen, zwei Angestellte eines Genfer Luxushotels angegriffen zu haben. Durch eine Kaution war das Paar nach zwei Tagen wieder aus dem Gewahrsam freigekommen und hatte das Land verlassen.
Unterdessen kritisiert die Schweiz die Festnahme ihrer Staatsbürger in Libyen. Am vergangen Samstag hatte die libysche Polizei zwei Schweizer festgenommen. Die Behörden werfen ihnen Verstöße gegen die Einwanderungsbestimmungen des Landes vor. Der Sprecher des Außenministeriums in Bern, Jean-Philippe Jeannerat, äußerte sich sehr besorgt über den mutmaßlichen Racheakt.
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Die Beiden würden unter „sehr schwierigen“ Bedingungen festgehalten und müssten sich eine kleine Zelle mit 20 anderen Häftlingen teilen. Jeannerat habe „große Zweifel“ an der Berechtigung der Anklage, und kritisierte auch, dass die Schweizer Vertretung in Tripolis kein Besuchsrecht erhalten habe. (ag)