Die Bilanz des Schreckens nach dem Erbeben von der Nacht auf den gestrigen Montag in der mittelitalienischen Region Abruzzen wird immer schlimmer. Wie Premierminister Silvio Berlusconi gerade bekanntgab, beläuft sich die momentane Anzahl Todesopfer auf 211, wovon 17 noch nicht identifiziert werden konnte. Derweil erschütterte heute morgen um 11.28 Uhr ein Nachbeben der Stärke 4,4 auf der Richter-Skala die gebeutelte Provinzhauptstadt L'Aquila.
Zusätzlich zu den als sicher geltenden Todesopfern gibt es desweiteren noch 15 vermisste Personen, während um die 1.000 Menschen verletzt wurden, davon 100 schwer. Von den 17.000 auf einen Schlag obdachlos gewordenen Bürgern stammen Berlusconi zufolge 10.000 aus L'Aquila selbst und 7.120 aus den umliegenden Dörfern.
Erdbeben in den Abruzzen
Die Erde bebt darüber hinaus ständig nach, auch in der Küstenstadt Roseto degli Abruzzi bekommen die Menschen zur Stunde immer noch lang anhaltende Erschütterungen geringeren Grades mit. In L'Aquila kommt es derweil bei stärkeren Nachbeben immer wieder zum Niederprasseln von Bauschutt und Gebäudeteilen, was die Menschen immer wieder in Panik versetzt und die Bergungsarbeiten behindert. Generell ist die Stimmung sehr verängstigt, niemand hat mehr das Gefühl, noch sicheren Boden unter den Füßen zu haben.
Für die Rettungsteams läuft derweil die Sanduhr ab, mit jeder Stunde, die vergeht, schwinden die Chancen darauf, noch lebendige Menschen unter den Trümmern vorzufinden. Bislang sind immerhin 150 Menschen lebend aus den Trümmern geborgen worden. Die Grabungen hielten sogar die gesamte Nacht auf den heutigen Dienstag an, obwohl es zu unsgesamt klein kleineren Nachbeben kam, darunter eines von 4,8 Grad auf der Richter-Skala um 1.15 Uhr nachts.
Das außerordentliche Engagement der Rettungskräfte trägt immer wieder seine Früchte, so konnte um zwei Uhr nachts eine Studentin namens Marta ganze 23 Stunden nach dem Beben lebend geborgen werden. Die Frau hatte sich bei Ausbruch des Bebens unter dem Bett verkrochen, zwei Betonpfeiler blieben nach dem Zusammenbruch den Studentenwohnheims, in dem sie war, nur wenige Zentimeter über ihr hängen.
Indessen naht unweigerlich für die 17.000 Menschen ohne ein Heim die zweite Nacht im Freien. In dem improvisierten Zeltlager des Zivilschutzes fallen die Temperaturen nachts dramatisch, was vor allem älteren Menschen und Kindern schwer zu schaffen macht. Viele Einwohner der betroffenen Region weichen in Richtung Küste aus, wo eine wegen des Tourismus eine umfassende Hotelinfrastruktur existiert, die viele Menschen aufnehmen kann. 5.000 Bettkapazitäten sind hier zum Zweck der Obdachlosenunterbringung von staatlichen Stellen konfisziert worden. Wer kann, übernachtet im Auto und versucht dabei, nicht allzu sehr zu frieren. (mso)
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