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22.11.2007Fall Marco W.

Bund will Klage vor Europäischem Gerichtshof beitreten

Die Bundesregierung will offenbar im Fall des Marco W. eine Klage der Eltern unterstützen, sollte der seit Ostern in der Türkei Inhaftierte nicht zügig aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Die Anwälte des 17-jährigen deutschen...

Die Bundesregierung will offenbar im Fall des Marco W. eine Klage der Eltern unterstützen, sollte der seit Ostern in der Türkei Inhaftierte nicht zügig aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Die Anwälte des 17-jährigen deutschen Schülers hatten beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg Klage eingereicht.

Marco wird beschuldigt, die 13-jährige Britin Charlotte M. im Urlaub sexuell missbraucht zu haben. Der deutsche Schüler weist dies zurück und erklärt, er habe im Einvernehmen mit dem Mädchen gehandelt.

Die „Bild“-Zeitung hat in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, dass die Bundesregierung der Klage beitreten werde, falls bei dem am 14. Dezember angekündigten Gerichtstermin in Antalya keine Entscheidung über die Haftentlassung des Schülers aus Uelzen fallen sollte.

Der „Bild“-Zeitung zufolge bedeutet dies, dass sich Berlin auch an den Kosten des Verfahrens beteiligen werde. Unterdessen äußerten zahlreiche Politiker Kritik über den schleppenden Verlauf des Verfahrens gegen den 17-Jährigen.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, appellierte an die türkische Justiz, „Marco unverzüglich aus der U-Haft, gegebenenfalls unter Auflagen, freizulassen“. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel erklärte: „Es ist unzumutbar, wenn ein junger Mensch unter der Schlamperei von Behörden zu leiden hat, die ihm die kostbarste Zeit seines Lebens nehmen - die Jugend.“

Indessen lag dem Gericht in Antalya immer noch nicht die offizielle türkische Übersetzung der Aussage von Charlotte vor. Das Verfahren war unter anderem aus diesem Grund immer wieder vertagt worden.

„Egal, ob Marco schuldig ist oder nicht: Einen Minderjährigen sieben Monate lang in Untersuchungshaft gefangen zu halten verstößt gegen alle rechtsstaatlichen Prinzipien der EU“, sagte die Vizechefin der Liberalen im Europaparlament, Silvana Koch-Mehrin. Dass die Aussageprotokolle noch immer nicht dem Gericht in Antalya vorliegen, sei „ein Skandal“.

Der Anwalt der britischen Familie will indes einen Schuldspruch wegen Vergewaltigung und die Höchststrafe von 15 Jahren erreichen. (dl)

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