Unter dem Kürzel BP zog British Petroleum aus, die Welt zu erobern. Allen Krisen zum Trotz gelang der Weg zum Giganten.
BP – British Petroleum – ist ein Konzern, der von Europa aus auszog, den Rest der Welt zu erobern. Und das tat er auch. Die Förderung von Rohöl und Erdgas, Herstellung und Vertrieb von petrochemischen Produkten und die Bereiche Gas, Strom und Solarenergie sind heute für BP von größter Bedeutung. 1901 begann die Geschichte des Unternehmens, das jetzt zu einem der drei wichtigsten Energiekonzerne der Welt gehört.
Die Erfolgsstory lässt sich auf den Geschäftssinn des Engländers William Knox D'Arcy zurückführen, der eine Konzession vom Schah von Persien erhielt, um nach Ölvorkommen in seinem Land zu suchen. Dabei erschwerten schlechtes Wetter, mangelnde Infrastrukturen und vor allem Probleme mit eingeborenen Volksstämmen das Unterfangen. D'Arcy ließ sich weder davon, noch von den steigenden Kosten abhalten – und erntete 1908 endlich bei Masjid-i-Suleiman Öl in kommerziell verwertbaren Mengen. Es war der erste Ölfund dieser Art und markierte den Anfang des Nahen Ostens als Erdöl fördernde Region.
In über 100 Ländern - Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Afrika – ist das BP-Zeichen zu finden. Weltweit arbeiten mehr als 100.000 Angestellte in über einhundert Ländern für den Konzernriesen, der unbestritten die Hitliste von Europas größten Unternehmen anführt. Und heute ist BP nicht nur ein bedeutsamer Öllieferant. Nach den Ölkrisen der 70er und 80er Jahre sollte es ein Arbeitsbereich „beyond petroleum“ richten.
Und das nicht von ungefähr. Bereits in den 50ern war BP in den Bereich Ernährung eingestiegen, ab Mitte der 70er Jahre gehörten Tierfutter und Tierzucht sowie Lebensmittel und verwandte Produkte zu den BP Geschäftsfeldern. Nach dem Erwerb der US-Firma Purina Mills im Jahre 1986 gehört darüber hinaus BP Nutrition zu den größten Futtermühlenunternehmen der Welt. BP Nutrition wurde 1990 auch zuständig für Produkte in den Bereichen Reinigungsmittel und Körperpflege, welche aus dem ehemaligen Waschmittelgeschäft heraus entstanden.
Desweiteren trugen die Expansion ins Edelmetallsegment durch den Kauf von Standard Oil Kennecott, den größten Kupferproduzenten der USA, der Einstieg in Kohlebaugeschäft Mitte der 70er Jahre und sogar der frühe Einstieg in die Informatikbranche in den 60ern zum konstanten Erfolg von BP bei.
Mineralöl und Petrochemie als „Herz“ des Unternehmens
Doch selbst ein Riese wie BP musste in den neuen Geschäftsfeldern Verluste hinnehmen und sich so Ende der 80er wieder auf seine Kernaktivitäten konzentrieren, die um die Kohlenwasserstoffe kreisten. Sprich: Erdöl. Die anderen Geschäftsfelder wurden peu a peu veräußert. Als erstes traf es 1988 Scicon, was einen Rückzug aus der Informatikbranche bedeutete. Der Verkauf des Mineralienbereiches erfolgte 1989 und ein Großteil der BP Coal wurde 1989 veräußert. Der Verkauf des Nahrungsgeschäftes begann 1992. BP setzte alle nur möglichen Akzente, dass nun der Schwerpunkt wieder auf Mineralöl und Petrochemie gelegt wurde.
Heute gehören u.a. Australien, Kolumbien, Norwegen, Papua-Neuguinea und neuerdings auch Russland zu den Außenstellen von BPs Öl- und Gasförderimperium. Im letzten Quartal 2004 konnte dabei die Produktion um rund vier Prozent erhöht werden. In den drei Monaten bis Ende Dezember wurden durchschnittlich Öl und Gas mit einem Energieäquivalent von 4,09 Mio. Barrel Öl pro Tag gefördert.
Im gesamten Jahr 2004 betrug die Fördermenge durchschnittlich 3,9 Mio. Barrel täglich. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Außerdem plane BP den Ausstieg aus unrentablen Petrochemieunternehmen. So soll die Sparte im Bereich Olefine und Deriate im zweiten Halbjahr 2005 möglicherweise über einen Börsengang veräußert werden.
50 Prozent des Umsatzes werden in den USA erzielt
Obwohl ein bedeutsamer Teil des Umsatzes in der Nordsee und in Russland erfolgt, plant BP eine Rückkehr in das Land, in dem seine Geschichte begann. Im Januar 2005 nahm der Ölriese jedoch sein Interesse an den Ölvorkommen im Iran zurück - nicht ohne die dortige Regierung zu brüskieren.
Denn nachdem in den USA 50 Prozent des Umsatzes erzielt werden, zog BP Konsequenzen aus den anhaltenden Spannungen zwischen Washington und Teheran. „Wir sind sehr stark von unserer amerikanischen Position beeinflusst", erklärte BP-CEO John Browne. „Im Moment wären Geschäfte mit Iran eine Beleidigung der USA - und das ist nicht in unserem Interesse".