01_aktion_300x300
Bildgalerie
Robert Pattinson und Kristen Stewart in 'Twilight Eclipse': Ewiger Treueschwur
Highlights der Woche (KW 20)
Diese Seite DruckenDiese Seite weiterempfehlen
StartseiteDealsMarketsComeback der Kernenergie - Zwischen Atom-Tabu und Öl-Hausse

20.02.2006Comeback der Kernenergie - Zwischen Atom-Tabu und Öl-Hausse

Ohne Subvention kein Strom

Steigende Ölpreise, unzuverlässige Energielieferanten, und die panische Angst der Politik vor der Versorgungsknappheit bescheren der Atom-Lobby in Europa ungeahnten Rückenwind. Marktfähig ist Atomstrom deswegen noch lange nicht.

Walter Hohlefelder strahlt. Vor allem Linkspolitiker und Sandalen tragende Umweltaktivisten motivieren das Vorstandsmitglied des Eon-Konzerns und den derzeitigen Präsidenten des Deutschen Atomforums zur verbalen Höchstleistungen. „Angeblich antinukleare Gene einer großen Volkspartei“ und die „Unumkehrbarkeit des Ausstiegs“ dürfen die Energieversorgung künftiger Generationen nicht gefährden, polemisiert Hohlefelder. Was Hohlefelder will, liegt auf der Hand.                  

Nach dem Ende der rot-grünen Koalition und einer befristeten politischen Einigkeit in Sachen Deutscher Atomausstieg schnuppern die vier großen Kraftwerksbetreiber mit nuklearer Lizenz - EOA, Vattenfall Europe, RWE und EnBW –endlich wieder Oberluft. Die vereinbarten Stilllegungen von Atomkraftwerken müssen nicht taggenau halten, ist der neue angekündigte Fahrplan der Versorger. So hatte beispielsweise die EnBW kürzlich vermeldet, „alle notwendigen rechtlichen Schritte“ zu unternehmen, um den Betrieb des Meilers Neckarwestheim I über das Jahr 2009 hinaus zu verlängern. Auch in der Chefetage beim AKW-Betreiber Vattenfall Europe will man sich mit dem signierten Ausstiegsszenario aus der Atomstromproduktion derzeit nur schwer anfreunden.  

Die Wende der Energiewende 

„Es wird nicht leicht sein, den heutigen Anteil der Kernkraft an der deutschen Stromerzeugung von circa 30 Prozent tatsächlich zu ersetzen“, rechnet Klaus Rauscher, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe, vor. Und Rauschers Vorpreschen kommt nicht aus heiterem Himmel. Denn seit Russland Anfang des Jahres im russisch-ukrainischen Gasstreit kurzerhand am Hand drehte und Europa die Abhängigkeit von seinen Energielieferanten schmerzhaft vor Augen führte, avancierte das Thema Versorgungssicherheit zur Chefsache. National wie international.  

Selbst EU-Präsident Manuel Barroso befindet sich derzeit fieberhaft auf der Suche nach Alternativen zu Öl und Erdgas. „Keine Option sollte ausgeschlossen werden, auch nicht die nukleare“, so Barroso. Obwohl zahlreiche europäische Länder wie Deutschland, die Niederlanden, Belgien, Schweden und Spanien den Atomausstieg aus der Atomkraft längst beschlossen haben, ist ein Stimmungswechsel unter den europäischen Politikern deutlich zu vernehmen. Selbst in Italien - das einzige Land, das den vereinbarten Ausstieg tatsächlich vollzogen hat - ist die Angst vor dem Super-Gau Tschernobyl verfolgen. „Wir brauchen eigene Atomkraftwerke“, forderte Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi.  

Keine Subvention, kein Kraftwerk 

Die Atomindustrie vernimmt´s mit Freuden. Immerhin ging ohne staatliche Subventionen in Sachen europäische Atomenergie bislang so gut wie nichts. Neue Kraftwerkstypen, die wachsende Knappheit fossiler Energieträger, die Reduzierung von Treibhausgasen sowie die verstärkte Nachfrage vornehmlich im asiatischen Raum sollen den Atomstrom marktfähig werden lassen.  Das jüngste Vorzeigeprojekt der europäischen Atomindustrie entsteht in Finnland. Gemeinsam mit Siemens errichtet der französische Kraftwerksbauer und Weltmarktführer Areva ein Atomkraftwerk der neuesten Bauart unweit von Helsinki.  

Areva setzte im vergangenen Jahr rund 10 Millionen Euro mit Atomtechnologie um. Dass das Unternehmen mit einem Weltmarktanteil von bis zu 40 Prozent überhaupt Gewinne erwirtschaftet, verwundert so manchen. Kritiker behaupten, dass ohne günstige staatliche Subventionen für Kraftwerke und Einführungsrabatte für Hersteller Atomstrom bei weitem nicht wettbewerbsfähig sei. Hinzu komme, dass die Kosten und Risiken der Atomwirtschaft betriebswirtschaftlich nicht angemessen berücksichtigt werden. Die Kosten zur Endlagerung von Atommüll schon gar nicht. So verwundert es kaum, dass Areva den Großteil seiner Gewinne derzeit mit dem Nachrüsten älterer Kraftwerkstypen einfährt.  

Werben für die Meiler 

Angesichts der weltweiten Trendwende in Sachen Atomkraft herrscht Aufbruchsstimmung unter den Kraftwerksbauern. Neben Areva buhlen die zu British Nuclear Fuels gehörende Westinghouse und die amerikanische General Electric um Großaufträge aus China und Indien. Rund 30 Reaktoren will das Reich der Mitte in den nächsten Jahren ordern. Bis zum Jahr 2030 möchte China rund 50 Milliarden Dollar in die Atomindustrie investieren. Und auch in den Vereinigten Staaten setzt man nach einer Auszeit wieder auf Strom aus dem Meiler. „Unser Plan ist es, die Nutzung sicherer und sauberer Atomenergie zu erhöhen“, vermeldete George W. Bush. Nur 20 Prozent des Energiebedarfs werden in den USA durch Atomkraftwerke gedeckt. In Frankreich sind es mehr als 78 Prozent, verglich Bush.  

Die Finanzwelt hat bereits reagiert. Aktien von Unternehmen, die Uran-Minen betreiben, steigen stündlich. Da ist es auch nicht weiter hinderlich, wenn Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace vorrechnen, dass die weltweiten Uranvorkommen bereits in 65 Jahren erschöpft sein werden und von der Dauerstromlösung Atomenergie keineswegs die Rede sein kann. Atomforumspräsident Walter Hohlefelder spricht von 390 Jahren. Aus den Fesseln von Rohstofflieferanten wird sich Europa trotz Atomenergie nicht befreien können. Die größten Uran-Vorkommen liegen in nicht mehr als zehn Ländern dieser Erde. Hauptexporteur von Uran ist Kanada.

Neuen Kommentar schreiben Leser-Kommentar (0)