Im Streit über längere Laufzeiten für deutsche Kernkraftwerke hat sich die Hälfte der Bundesbürger für ein Ja entschieden - wie die am Mittwoch veröffentlichte Forsa-Umfrage im Auftrag des ´Stern´ offenlegt. Unterdessen hat sich SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan gegen eine Festschreibung des Atomausstiegs im Grundgesetz ausgesprochen - Fraktionsvize Peter Struck zum Trotz.
In der Hoffnung auf sinkende Energiepreise befürworten 59 Prozent der Unions-Wähler und fast drei Viertel der FDP-Wähler einen Weiterbetrieb der deutschen Atommeiler. Im SPD-Lager betrifft es ein Drittel, bei den Grünen ein Fünftel der Wählerschaft - wie die Forsa-Studie zeigte.
Angesichts der zunehmenden weltweiten Energiekrise, hatte die Debatte um eine mögliche Abkehr vom anvisierten deutschen Atomausstieg neuen Auftrieb bekommen. Insbesondere die CDU forderte seit langem eine Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke - Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) will sogar den Bau neuer Atomkraftwerke in Deutschland nicht ausschließen, wie sie jüngst verkündete. Indessen gab CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla dem Atomstrom sogar sein äußerst umstrittenes Öko-Siegel.
Überraschenderweise plädierte nun auch Gesine Schwan (SPD) dafür, sich „nicht einseitig festzulegen". So lehnte sie jüngst einen Vorschlag von Parteikollegen Erhard Eppler und Fraktionschef Peter Struck ab, der den Atomausstieg im Grundgesetz festschreiben will. Gleichzeitig betonte Schwan: "Längere Laufzeiten würden den Druck von uns nehmen, über Alternativen zur Kernkraft nachzudenken."
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Auch CDU-Umweltpolitiker Josef Göppel befürchtet im Falle eines generellen Beschlusses zur Laufzeitenverlängerung eine schleppende Entwicklung der erneuerbaren Energien. „Mehr Atomstrom bedeutet mehr Atommüll, und für den gibt es weltweit noch keine Lösung", lautete indessen das nach wie vor vehemente Veto von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). In der Tat bleibt sehr fraglich, ob Atomenergie jemals eine ökologische Option für die Zukunft sein kann. (sbe)