2003 hatte die britische Labourregierung Atomkraft noch als „unattraktiv“ bezeichnet. Am gestrigen Donnerstag waren jedoch ganz andere Töne aus den Reihen des Unterhauses zu hören. Der britische Wirtschaftsminister John Hutton gab ein neues Gesetz über die langfristige strategische Ausrichtung der britischen Energiepolitik bekannt. Dabei ist die Einführung einer neuen Generation von Atomkraftwerken ein zentraler Punkt. Hutton gab für diese Einführung jetzt grünes Licht.
Angesichts steigender Ölpreise und hochgesteckter Klimaschutzziele zeigte sich der Wirtschaftsminister von der eigenen Sache voll überzeugt. „Nuklearenergie hat uns über ein halbes Jahrhundert mit Energie versorgt". Atomkraft sei erwiesenermaßen „sauber" und „billig". Nur sie könne der britischen Regierung helfen, die international gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Vincent de Riven, Chef von EDF Energy, der britischen Tochter des französischen Energieriesen EDF, sprach von einer „Vorhut der nuklearen Renaissance". Großbritannien folgt offenbar dem Beispiel Frankreichs und Finnlands, die ebenfalls den Bau neuer Atommeiler befürworten.
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Derzeit liefern in Großbritannien 19 Reaktoren rund 20 Prozent des benötigten Stroms. Bis 2035 sollen diese abgeschaltet werden. Aber neue Anlagen, auf deren Zahl sich die britische Regierung nicht festlegen will, sind schon in Arbeit. Sie sollen von Privatunternehmen gebaut werden und in 10 bis 15 Jahren in Betrieb gehen. Auch die beiden großen deutschen Energiekonzerne EON und RWE haben ihr Interesse an einer Beteiligung angekündigt..
Peter Williams, Vize-Präsident der Britischen Akademie der Wissenschaft betonte gegenüber der Nachrichtenagentur 'Reuters' die Richtigkeit der Regierungsentscheidung. „Großbritannien muss seine Emissionen von Treibhausgasen reduzieren und gleichzeitig sicherstellen, dass wir jeden Tag sichere Stromquellen haben". Grünen-Sprecherin Caroline Lukas sprach dagegen von einem „erschütternden Mangel an politischer Vision". In Großbritannien war es in der Vergangenheit schon mehrfach zu schweren Störfällen in Atomkraftwerken gekommen. In Sellafield, einer der größten Atom-Anlagen der Welt, gerieten beispielsweise bei der Wiederaufarbeitung von Brennstoffen 2005 radioaktive Stoffe in die Irische See.
Obwohl anders als in Deutschland, in Großbritannien keine übermäßige Angst vor Atomenergie besteht, zeigen sich dennoch nur 44 Prozent der Briten gegenüber dem neuen Regierungsvorhaben positiv eingestellt. Die schottische Regierung hat zudem angekündigt, den Bau von Atomkraftwerken in Schottland nicht erlauben zu wollen. Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace will gerichtlich gegen das Vorhaben der britischen Regierung vorgehen. Auch die Ankündigung von Hutton, den Anteil erneuerbarer Energien in Großbritannien bis 2015 zu verdreifachen, wird diese Kritik wohl kaum zum Verstummen bringen. (ta)