20 Jahre nach dem per Volksabstimmung dekretierten Atomausstieg hat die neu gewählte Mitte-Rechts-Regierung unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi noch für die laufende Legislaturperiode Italiens Rückkehr zur Atomkraft angekündigt. Während sich das europäische Ausland in Schreckensbekundungen übt, erntet das Vorhaben Zuspruch vor allem aus Kreisen der Industrie.
"Nur Atomkraftwerke erlauben die Produktion von Energie auf sichere, wettbewerbsfähige Weise, und mit Rücksicht auf die Umwelt", warb Italiens Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Claudio Scajola, für die Atomkraftrückkehr seines Landes, die im Zuge des anhaltenden Ölpreisanstiegs unvermeidlich sei. Scajolas Worte fanden indessen bereits die Unterstützung des Arbeitgeberverbandes Confindustria. Insbesondere dessen Präsidentin Emma Marcegaglia unterstützt die Regierungspläne. Hauptansinnen ist es, Italiens Energieversorgung vom Ausland unabhängiger zu machen. Gegenwärtig bezieht Italien über 70 Prozent der eigenen Stromversorgung aus dem Ausland.
Darüber hinaus ist Italien unter den führenden Industrienationen der G8 der einzige Staat ohne Atomkraftwerke. Bereits Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte, schon vor seinem Wahlsieg im April, den Bau moderner Atomkraftwerke angekündigt. Und damit will die jetzige Regierung sehr bald beginnen: Die Fertigstellung des ersten neuen Atomkraftwerks bis spätestens 2013 soll den Grundstein für eine Gruppe von Anlagen „der neuen Generation" legen.
Ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 hatte Italien per Referendum seinen Atomausstieg beschlossen. Seitdem deckte das Land seinen Energiebedarf überwiegend über Öl- und Gasimporte. Vorfälle in Italiens jüngster Vergangenheit, vor allem ein großer Stromausfall im Jahre 2003, haben derweil die Angst vor möglichen Engpässen in der Energieversorgung ansteigen lassen.
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Unterdessen bleibt umstritten, ob die geplanten neuen Atomkraftwerke sichere und günstige Energie liefern können. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Ölpreis auf dem Weltmarkt nahezu verdoppelt. Am vergangenen Mittwoch durchbrach der Preis für ein Barrel Rohöl die Rekordmarke von 130 Dollar. (sbe)