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StartseiteDealsDossier: Schwacher Dollar - hoher Ölpreis

30.05.2005Öl-Pipeline im Kaukausus eröffnet

Die Röhre

Mit der BTC-Pipeline wurde Mitte letzte Woche die geostrategisch wohl bedeutendste Erdölleitung der Welt in Betrieb genommen. Die USA verringern ihre Abhängigkeit von den Saudis und stärken gleichzeitig ihre politische Position in Russlands Hinterhof.

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton hatte wohl ölige Tränen der Rührung im Gesicht. Denn für Bill Clinton war es durchaus eine späte Genugtuung, als am vergangen Mittwoch die ersten Ventile seines einstigen Lieblingsprojekts feierlich auf „Durchfluss“ gedreht wurden. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew, sein georgischer Amtskollege Michail Saakaschwili und der türkische Präsident Ahmet Necdet Sezer waren an jenem Tag zusammen gekommen, um im aserbaidschanischen Baku die wohl bedeutendste Pipeline der Welt in Betrieb zu nehmen.

Die rund drei Milliarden Dollar teuere und 1773 Meter lange BTC-Rohrleitung (Baku-Tiflis-Ceyhan) hat ihren Ausgangspunkt am aserbaidschanischen Ölterminal Sangachal, schlängelt sich durch Wüstengebiet, überwindet auf 2700 Meter Höhe den Kaukasus, stößt durch die Krisenregion Berg-Karabach bis nach Georgien und endet letztendlich im türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. 

Öl für den Westen             

Bis zu eine Million Barrel Rohöl (je 159 Liter) sollen künftig durch die BTC-Pipeline vom Kaspischen Meer bis zum Mittelmeer fließen und so die westlichen Märkte mit dem heiß begehrten Rohstoff versorgen. Das außergewöhnliche an dem Rohr: mit der BTC-Pipeline gibt es erstmals eine Alternativroute um die Weltmärkte mit den Bodenschätzen aus dem Kaspischen Becken zu versorgen, ohne dabei Transportwege durch Russland oder den Iran nutzen zu müssen.

Kein Wunder also, dass gerade Russland immer wieder Vorbehalte gegen die Ölpipeline hatte. „Es ist völlig klar, dass dieses Projekt aus politischen und nicht aus ökonomischen Motiven entstand“, sagte kürzlich der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, Konstantin Kossatschow und traf damit voll ins Schwarze. Denn die großen Nutznießer der BTC-Pipeline sind wie so oft die Amerikaner.  

Im russischen Hinterhof 

Nicht nur, dass die USA mit der Inbetriebnahme der BTC-Pipeline ihre Abhängigkeit vom Öl der Saudis deutlich verringern - immerhin leitet das Superrohr bei voller Auslastung künftig ein Zehntel der täglich benötigten US-Ölimporte ins Mittelmeer – auch Russlands Position als Transportland wird klar geschwächt.

Zudem ist die Pipeline vor allem ein politisches Instrument, um die Rolle der Vereinigten Staaten im russischen Hinterhof noch weiter zu festigen. Gerüchte, dass die USA zeitweilig mobile militärische Einheiten zum Schutze der Pipeline in Aserbeidschan stationieren könnten, werden in Baku zwar noch heftig dementiert, keine Dementis gibt es jedoch hinsichtlich eines möglichen Militärblocks unter Beteiligung von Aserbaidschan, Georgien und der Türkei, dem später auch die Ukraine folgen könnte. Also eine Art NATO-Tochterstruktur.

Zwar müsste man noch bestehende politische Hindernisse lösen - Territorialstreitigkeiten zwischen Baku und Tiflis und die Frage der in Georgien stationierten russischen Truppen – unmöglich scheint dieses Szenario jedoch keineswegs. „Die Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan wird bei der regionalen Zusammenarbeit und Sicherheit eine große Rolle spielen“, verkündete der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew bei der Eröffnungsfeier.

Und auch Kasachstan – in Sachen Öl bislang ein Konkurrent Aserbaidschans – will am BTC-Projekt kräftig mitmischen. „Wir nehmen an, dass Kasachstan bis zu 30 Millionen Tonnen Erdöl jährlich in diese Richtung verladen wird, und halten das für eine der ernsthaften wirtschaftlichen Möglichkeiten für unsere Entwicklung“, verkündete der kasachische Premierminister Daniel Achmetow einen Tag nach der Inbetriebnahme der Pipeline. 

Das Konsortium  

Einzig in der EU will man die politische Bedeutung der BTC-Pipeline offiziell nicht kommentieren und beschränkt sich einhellig auf die ökonomischen Auswirkungen der Röhre. „50 Millionen Tonnen zusätzliches Öl an den Weltmärkten sind ein bedeutendes Liefervolumen, vor allem mit Blick auf die historisch hohen Ölpreise von 50 US-Dollar pro Barrel“, kommentierte EU-Energiekommissar Andris Piebalgs die Eröffnung der Pipeline.

Bis das heiß ersehnte Öl in Ceyhan eintrifft, werden allerdings noch einige Monate vergehen. So lange benötigt man nämlich, um das Superrohr zu füllen. Die erste Verschiffung des Öls von der türkischen Küste aus ist für Herbst 2005 vorgesehen. Erst dann wird das internationale Konsortium, das die BCT-Pipeline betreibt, satte Pedrodollar einfahren. Hauptaktionär des Konsortiums ist mit 30,1 Prozent British Petroleum. Neben der staatlichen Erdölgesellschaft Aserbaidschans (25 Prozent) sind unter anderem Unocal (8,9 Prozent), Statoil (8,71 Prozent), Eni (5 Prozent) und Total (5 Prozent) beteiligt. Die Finanzierung der Röhre sicherten eine Weltbank-Tochter und die Osteuropabank EBRD.

Die Planung der Pipeline begann 1997. Baubeginn war 2002. Bis zu Fertigstellung arbeiteten rund 22.000 Menschen an der Ölleitung. Dass nur wenige Tage vor der Eröffnung der Pipeline die aserbaidschanische Regierung Demonstrationen der Opposition gewaltsam auflöste, trübte übrigens in keinster Weise die Feierlaune der zahlreich angereisten Staatsgäste.

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