Um dem rasanten Preisanstieg für Öl- und Benzin entgegenzutreten, will US-Präsident George W. Bush baldmöglichst die amerikanische Energieproduktion ankurbeln: Dafür sollen Naturschutzgebiete vor der US-West- sowie der Ostküste herhalten. Im Streit um die künftige US-Energiepolitik hat der scheidende Präsident den demokratisch dominierten Kongress aufgefordert, ein seit 1981 existentes Ölförderungsverbot aufzuheben. Führende Demokraten, darunter Barack Obama, lehnen dies strikt ab.
George W. Bush ist ein Licht aufgegangen: Das "überholte und kontraproduktive" Bohr-Moratorium vor den US-Küsten ist Schuld am Anstieg der Öl- und Benzinpreise - zumindest ist der Republikaner aus Texas selbst davon überzeugt, und will Konsequenzen aus seiner Erkenntnis ziehen. Als erstes soll das Naturschutzgebiet Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) in Alaska an der Reihe sein - die ansässigen paar Millionen Zugvögel und anderen Tiere wird es sicher nicht stören, wenn in ihrem Lebensraum ein bisschen nach Öl gebohrt wird.
Doch Bushs jüngster Geniestreich ruft indessen nicht nur Umweltschützer auf den Plan, die seit Jahrzehnten gegen die Gebietsöffnung für Ölbohrungen kämpfen. Erwartungsgemäß und voller Empörung widersetzten sich auch die Demokraten: "Wir können uns nicht aus diesem Problem herausbohren", sprach sich der Führer der Demokraten im Senat, Harry Reid, gegen eine Aufhebung des Verbots aus. Bushs Forderungen würden langfristig nicht bei der Senkung der Energiepreissenkung helfen, dafür aber der Natur in den Küstengebieten schaden, davon ist auch der demokratische Spitzenkandidat Obama überzeugt.
Zumindest steht in diesen Tagen einer hinter Bush, wenn dieser auch aus den eigenen Reihen kommt: So nahm der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain Bushs Forderung bereits am Montag offiziell in sein Wahlkampfprogramm auf, nachdem er ein Ende des Moratoriums bis dato abgelehnt hatte.
In dem besagten 230 Millionen Hektar großen Naturgebiet vor Amerikas West- und Ostküste vermuten Bush und Konsorten fast 18 Milliarden Barrel Rohöl und eine große Menge Erdgas. Bereits seit 1970 hat Amerika sein Ölfördermaximum erreicht. Obwohl die USA nur drei Prozent der Weltölreserven stellen, verbrauchen sie ein Viertel des weltweiten Öls.
Verwandte Artikel
Umfragen zufolge gehören die gestiegenen Benzinpreise derzeit zu den größten Sorgen der US-Wähler, die bereits im November ihren neuen Präsidenten wählen.