Scheinbar hat nicht nur Frankreich seinen Atommüll nach Sibirien verfrachtet, wie Anfang der Woche die französische Tageszeitung 'Libération" berichtete. Auch das deutsche Unternehmen Urenco, das eine Urananreicherungsanlage betreibt, hat einen Vertrag mit der russischen Firma Tenex, die das exportierte Uran angeblich wiederaufbereitet. Es tobt allerdings ein Streit darüber, ob es sich dabei um veritablen Atommüll, oder nur um radoaktiven Abfall handelt.
Die Anti-Atom-Bewegung "ausgestrahlt" hatte am vergangenen Mittwoch von einer illegalen Lagerung von deutschem Atommüll auf einem Parkplatz im sibirischen Sewersk gesprochen. Auch das 'ZDF' zeigte in der Nachrichtensendung 'heute journal' rostende Fässer unter freiem Himmel. In einer Mitteilung von "ausgestrahlt" hieß es: "Urenco lügt, wenn sie sagt, Atommüllbehälter rosten nicht."
Das Unternehmen Urenco mit Sitz im nordrhein-westfälischen Gronau beteuerte, dass extrem abgereichertes Uran kein Atommüll sei, sondern ein Wertstoff, der möglicherweise in der Zukunft genutzt werden könne. Gegenüber der 'Frankfurter Rundschau' bestätigte eine Sprecherin den Transport von 27.300 Tonnen abgereicherten Uran-Hexafluorid, das radioaktiv und sehr giftig ist.
Bereits 1996 setzten diese Transporte ein. "Zehn bis 15 Prozent" käme in Form von Brennstoff zurück, so Urenco. Der Rest sei Eigentum des russischen Urenco-Vertragspartners Tenex. Das Material lagere in "dickwandigen Stahlfässern" auf dem Parkplatz in Sibirien. Die Urenco-Sprecherin versicherte der 'Frankfurter Rundschau', dass die offene Lagerung unter freiem Himmel grundsätzlich kein Problem sei. Von rostigen Fässern sei nichts bekannt.
Wladimir Sliwyak, Vorsitzender der weltweiten Umweltorganisation Ecodefense, erklärte im Interview mit der 'Frankfurter Rundschau', dass der deutsche Atommüll "gar nicht" in Russland entsorgt werde: "Die mit den Gronauer Uranhexafluorid gefüllten Fässer liegen dort unter freiem Himmel herum und rosten vor sich hin. Sie laden einfach die Container ab und verschwinden. Ganz in der Nähe wohnen Menschen."
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Die letzte Fahrt nach Sibirien fand am 26. August 2009 statt, so die Urenco-Sprecherin gegenüber der 'Frankfurter Rundschau'. Künftig sollen die Uran-Reststoffe in Frankreich bearbeitet werden, erläuterte die Sprecherin. (mme)