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22.04.2008HACKERANGRIFF AUF KONKURRENZ?

Rupert Murdoch steht vor Gericht - und plant weitere Zukäufe

Dem australischen Medienmogul Rupert Murdoch steht Ärger ins Haus. Einer seiner Firmen wird vorgeworfen, Internet-Sabotage betrieben zu haben. Die britisch-israelische NDS Group stellt Smartcards für Bezahlsender her, künftig unter anderem auch für Premiere. Dem Unternehmen wird jetzt allerdings vorgeworfen, 1997 das Verschlüsselungssystem seines Konkurrenten NagraStar geknackt zu haben. Darüber hinaus soll NDS gefälschte NagraStar-Karten in Umlauf gebracht haben.

NagraStar und dessen Mutterkonzern EchoStar fordern vor einem kalifornischen Gericht nun 101 Millionen Dollar Schadensersatz. Der Prozess läuft bereits seit dem 9. April, blieb in amerikanischen Medien jedoch weitgehend unbeachtet. Als Zeugen sind auch mehrere Hacker geladen. Der zuständige Richter wies die beiden Parteien an, sich außergerichtlich zu einigen. Doch vor allem NDS will die Klage abgewiesen wissen. Von den großen Stationen berichtete lediglich ABC News am gestrigen Montag über den Fall - der Sender gehört zum Murdoch-Konkurrenten Walt Disney.

Ein Experte meinte ABC News zufolge, NDS wolle das Verfahren unter allen Umständen durchziehen. Es sei eine gute Möglichkeit der Vorstellung entgegenzuwirken, dass die Firma „gleichzeitig einerseits Verschlüsselungssysteme herstelle und andererseits mit Kriminellen zusammenarbeite, um die Systeme zu knacken." Ein Sprecher von NDS zeigte sich zuversichtlich, dass sein Unternehmen das Verfahren gewinnen werde.

NDS begann angeblich im Jahr 1997 die Smartcards von NagraStar zu hacken. Zuvor waren die Karten von NDS selbst geknackt worden, weswegen dem Unternehmen der Verlust wichtiger Kunden wie die Sendergruppe DirecTV an die Konkurrenz drohte. NDS heuerte daraufhin angeblich nicht nur mehrere Hacker an, sondern auch einige ehemalige Geheimdienstangehörige aus Israel, Schottland und den USA.

Den Vorwürfen zufolge brachte NDS die geknackten NagraStar-Karten ab 1998 über eine kanadische Hackerseite in Umlauf. Auf der Internetseite waren später auch Codes und Anweisungen veröffentlicht worden, die es jedem Hacker ermöglichten, die Smartcards nachzubauen und auf den Schwarzmarkt zu werfen. Gerichtsakten zufolge funktionierte diese Strategie über zwei Jahre sehr erfolgreich.

US-Behörden kamen NDS erst im Jahr 2000 auf die Schliche, als sie tagtägliche Geldlieferungen an einen Hacker in Kalifornien zurückverfolgten, der bei NDS angestellt war. NDS verteidigte sich damit, die Hacker engagiert zu haben, um die Sicherheit des eigenen Systems zu erhöhen. Die Geheimdienstangehörigen wiederum sollten andere Hacker aufspüren und zur Strecke bringen.

Murdoch an New Yorker Zeitung Newsday interesssiert

Ungeachtet des Gerichtsverfahrens gegen die Tochter NDS will Murdochs Mutterkonzern News Corp auf dem amerikanischen Zeitungsmarkt expandieren. Der Medienmogul hat Interesse an der New Yorker Zeitung Newsday. Das Tabloid-Blatt ist mit einer Auflage von 387.000 Stück die zehntgrößte Zeitung in den Vereinigten Staaten.

Newsday gehört derzeit der Tribune Company, der unter anderem auch die Chicago Tribune und die Los Angeles Times gehören. Vor allem wegen der hohen Werbeeinnahmen dürfte Newsday für Murdoch interessant sein. Der Titel profitiert dabei von seinem Erscheinungsgebiet New York, das nicht so stark von der US-Immobilienkrise betroffen ist wie andere Bundesstaaten. Wieviel Newsday kostet ist derzeit nicht bekannt. Analysten schätzen den Marktwert aber auf 350 bis 400 Millionen Dollar.

Murdoch schlägt ein Joint Venture zwischen seiner New York Post und der Newsday vor, um Synergieeffekte zu nutzen, um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Der Medienzar ist allerdings nicht einziger Interessent an der Newsday. Auch der Kabel-TV-Betreiber Cablevision sowie die Daily News, Konkurrent der New York Post, wollen die Zeitung gerne kaufen. Eine schnelle Einigung ist deshalb nicht zu erwarten. (vd)

 

 

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