Opel-Betriebsratsvorsitzender Klaus Franz hat am vergangenen Mittwoch die Werke in Antwerpen, Bochum und Kaiserslautern für "akut gefährdet" gehalten. Nach dem überraschenden Entschluss von GM, die angeschlagene Opel-Tochter nun doch zu behalten, werden europaweite Werksschließungen befürchtet. 'Spiegel online' zufolge möchte GM den alten Sanierungsplan vom Jahresbeginn wieder reaktivieren.
Europa-Chef Carl-Peter Foster wird sich künftig nicht mehr um das Europageschäft kümmern, er kündigte am gestrigen Donnerstag an, dass er geht.
Für die Opel-Werke in Antwerpen, Bochum und Kaiserslautern sagte Betriebsratsvorsitzender Franz eine finstere Zukunft voraus. Er hielt sie für "akut gefährdet". Opel-Chef-Unterhändler John Smith hingegen erklärte am Mittwoch Abend, dass das Werk in Bochum in verkleinerter Form bestehen bleiben und eine "attraktive Lösung" geschaffen werden könnte. Ein führender Manager von GM allerdings erklärte der 'Rheinischen Post': "Für Bochum wird es eng. Das Werk ist mittelfristig nicht zu halten." Bochum sei zu "kostenintensiv".
Laut 'Spiegel Online' beabsichtigt GM, den alten Sanierungsplan wieder aufzurollen. Dieser Plan sah vor, die Kosten bei Opel um 30 Prozent zu senken. 10.000 Jobs sollten gestrichen werden. Smith kündigte eine Überprüfung der Werke an, die möglicherweise geschlossen werden. Das belgische Antwerpen stünde 'Spiegel Online' zufolge vor dem Aus. Auch Eisenach könnte von Werksschließung betroffen sein.
GM ließ bisher noch offen, welche Werke keine Zukunft haben werden. Europa-Chef Carl-Peter Foster soll dem Online-Nachrichtenportal zufolge seinem Unmut über den GM-Entschluss Luft gemacht haben, indem er ankündigte, künftig für das Europageschäft nicht mehr zur Verfügung zu sehen. Ein Nachfolger stünde, so 'Spiegel Online' auch schon fest: Nick Reilly, der bisher für GM in den USA arbeitet, soll es in Europa wieder richten. Allerdings steht er für einen knallharten Sanierungskurs.
An allen deutschen Opel-Werken fanden am gestrigen Donnerstag Massenproteste der Opelaner statt. "Wir geben uns nicht geschlagen, wir sind selbstbewusst, denn wir sind Opel", rief Betriebsratschef Franz in Rüsselsheim den 10.000 Beschäftigten zu.
Auch die Ministerpräsidenten der betroffenen Bundesländer mit Opel-Werken zeigten sich empört. So kündigte Jürgen Rüttgers (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfahlen im ZDF an, im Falle der der Schließung des Bochum-Werkes, "kein Geld von Bund oder Land" beisteuern zu wollen. "Es kann niemand von uns verlangen, dass wir auch noch dafür bezahlen, dass das Werk Bochum geschlossen wird und die Arbeitsplätze wegfallen." Nur wenn keine Werke geschlossen würden, keine betriebsbedingten Kündigungen und Einsparungen zu sozialverträglichen Bedingungen gewährleistet wären, wäre er dazu bereit, Staatshilfen anzubieten.
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Gegenüber den Mitarbeitern des Opel-Werks in Rüsselsheim entrüstete sich Rüttgers über die Entscheidung von GM: "Das Verhalten der Führung in Detroit ist nicht akzeptabel, unseriös, menschenverachtend und rücksichtslos." Der Ministerpräsident kritisierte, dass GM einen Rückzieher gemacht habe. "Hier wird mit dem Schicksal der Beschäftigten ein Katz-und-Maus-Spiel getrieben."