Neben dem deutschen Autobauer Opel, der Tochter des krisengeschüttelten US-amerikanischen Konzerns General Motors, hat sich am Wochenende auch die Schaeffler-Gruppe vehement für Staatshilfen ausgesprochen. Die fränkische Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler schwenkte vorab die weiße Fahne und versprach in der 'Bild am Sonntag', die staatlichen Hilfen „mit Zinsen auf Heller und Pfennig“ zurückzuzahlen. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz zeigte sich unbeeindruckt.
Das angeschlagene Schaeffler-Familienunternehmen hat am vergangenen Wochenende mit Nachdruck Staatshilfen gefordert, die „dringend" benötigt würden. Ohne eine zeitlich begrenzte finanzielle Überbrückung durch den Staat werde es für die Zukunft des fränkischen Kugellagerherstellers, der vor Kurzem den Reifenhersteller Continental AG übernommen hatte, schwierig, wie die Familienerbin Maria-Elisabeth Schaeffler in der 'Bild am Sonntag' verkünden ließ. Laut ihrem Sohn Georg Schaeffler, der 80 Prozent des Unternehmens hält, sollen bei einer Zerschlagung des Konzerns Tausende von Arbeitsplätzen in Deutschland gefährdet sein.Der Schaeffler/Conti-Konzern beschäftigt nach Angaben des Wirtschaftsmagazins 'Financial Times Deutschland' derzeit in der Bundesrepublik etwa 80.000 Menschen.
Die Verantwortung für das Unternehmen und die Mitarbeiter lasse ihr keine andere Wahl, als den Steuerzahler um Hilfe zu bitten, erklärte die fränkische Unternehmerin. „Den Staat um Geld zu bitten, ist das Letzte, was man sich als Unternehmerin wünscht", so die Firmeninhaberin. Eine Störung in der Produktion der Schaeffler-Gruppe hätte jedoch globale Auswirkungen auf die gesamte Automobilindustrie, warnte die 67-Jährige. Laut Schaeffler nehme der fränkische Konzern für die Industrie die gleiche Bedeutung ein wie die US-Bank Lehman Brothers für den Bankenmarkt, deren Kollaps im Herbst die weltweite Finanzkrise verschärft hatte. Das habe eine renommierte Unternehmensberatung ergeben, teilte die Milliardärin in der 'Bild am Sonntag' mit.
„Schaeffler-Conti steht für eine industrielle Substanz, die es so weltweit nicht noch einmal gibt und die nicht einfach ersetzt werden kann", betonte die Unternehmenschefin. In jedem Auto auf dieser Welt fänden sich angeblich durchschnittlich 60 Teile aus der Schaeffler-Produktion. Als Gegenzug für finanzielle Hilfeleistung erklärte sich die Familienerbin bereit, die Einführung von Mitbestimmungsgremien für Arbeitnehmer zu erlauben.
Wie die 'Süddeutsche Zeitung' aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben will, soll sich Schaeffler mit IG-Metall-Chef Berthold Huber bereits weitgehend auf ein gemeinsames Eckpunktepapier geeinigt haben. Die Unternehmerin hatte sich an Huber gewandt, um bei ihm Hilfe für ihr Bemühen um Staatshilfe zu erhalten. Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer bestätigte ähnlich wie ein Schaeffler-Sprecher derartige Kontakte. Zu den Inhalten äußerten sich beide jedoch nicht. Den Kontakt zwischen der Unternehmerin und dem IG-Metall-Chef habe nach Informationen der Zeitung der frühere SPD-Vorsitzende und Ex-Bundesminister Rudolf Scharping eingefädelt, der seit seinem Ausscheiden aus der Politik eine Agentur für Strategieberatung und Kommunikation betreibt.
Wie die 'SZ' weiterhin berichtet, sollen sich Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg bereits weitgehend auf die Forderungen der IG Metall eingelassen haben. Kernpunkt bildet die Einführung eines von Arbeitgebern und Arbeitnehmern paritätisch besetzten Aufsichtsrat, den die Familie jahrzehntelang strikt abgelehnt hatte. Dieses Entgegenkommen könnte jedoch zur Verhinderung der Insolvenz für die Schaeffler-Gruppe einiges beitragen. „Ohne die IG Metall hätte man deutlich schlechtere Chancen auf Staatshilfe", mutmaßt ein Insider. So könnten vor allem die Sozialdemokraten in Berlin dem Familienunternehmen nun die Staatshilfe kaum verweigern.
Demgegenüber hatte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz im 'Tagesspiegel am Sonntag' einer staatlichen Finanzspritze eine klare Abfuhr erteilt. Man könne nicht „im Nerzmantel nach Staatshilfe rufen", stellte der SPD-Politiker klar und verwies auf die Firmenerbin, die zuletzt im edlen Pelzmantel vor die Presse getreten war. Scholz betonte, dass der Staat nicht dafür da sei, „für Fehlentscheidungen von Milliardärinnen und Milliardären gerade zu stehen." Es könne jedenfalls nicht sein, dass jemand, der sich verspekuliert habe, auch noch einen Reibach auf Steuerzahlerkosten erreichen wolle, so Scholz. Das Milliarden-Vermögen der Firmenerbin soll nach eigenen Angaben fast komplett in dem Konzern stecken.
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Die Schaeffler-Gruppe hatte sich mit der Übernahme des drei mal größeren Autozulieferers Continental auf Kredit massiv verspekuliert. Die Schulden des Konzerns werden auf etwa 10 Milliarden Euro geschätzt. Seit Wochen wirbt die fränkische Eigentümer-Familie öffentlich um Staatshilfen, angeblich soll der verschuldete Konzern vier bis fünf Milliarden Euro zu seiner Rettung benötigen. Die Firma kündigte an, ein Rettungskonzept als Voraussetzung für den Erhalt von Staatshilfen innerhalb von zwei Wochen vorlegen zu wollen. Erst am Mittwoch waren Tausende Beschäftigte im mittelfränkischen Herzogenaurach für Staatshilfen auf die Straße gegangen. (sk)