Der Aktienkurs des Bankversicherers ING ist am heutigen Montagmorgen nach einer Kapitalspritze in Höhe von 10 Milliarden Euro seitens des niederländischen Staats um 23 Prozent gestiegen. Insofern ist der am vergangenen Freitag erlittene Kursstutz faktisch kompensiert worden.
Am gestrigen Sonntagabend hatten der niederländische Finanzminister Wouter Bos und der Präsident der niederlänischen Notenbank Nout Wellink das Rettungspaket angekündigt. Mit dem öffentlichen Geld soll das Kernkapital des Unternehmens gestärkt (dazu dienen fünf Milliarden), der Versicherungsast gestützt (zwei Milliarden) und das Verhältnis zwischen Verschuldung und Eigenkapital (drei Milliarden) aufgebessert werden. Die niederländische Notenbank sieht ING nun der Rotterdammer Tageszeitung 'NRN Handelsblad' zufolge nach der Kapitalzufuhr mit einer "robusten Widerstandsfähigkeit ausgerüstet, wodurch sie international zu den stärkeren Banken zu rechnen ist".
Mit rund 75 Millionen Endkunden ist ING eine der weltweit größten Banken. Neben dem Geschäft als traditionellem Filialisten über die eigene Postbank-Tochter in den Niederlanden beinhaltet das Konglomerat auch eine Versicherungsgesellschaft in Form der Tochter Nationale Nederlanden, Vermögensverwaltung und Finanzdienstleistungen rund um Immobilien. Weltweit lagern in ING-Sparkonten rund 338 Milliarden Euro.
ING ist die erste Bank, die in den Niederlanden auf die von Finanzminister Bos am 9. Oktober in Aussicht gestellten 20 Milliarden für Rettungspakete zurückgreift. Im Gegenzug für die finanzielle Hilfe bekommt der niederländische Staat "aktienähnliche" Wertpapiere in Höhe von einer Milliarde Euro. Dieser Option ist der Vorzug gegeben worden, wiel sie die bestehende Aktionärsstruktur nicht verwässert. Der Staat erhält daher in der Aktionärsversammlung von ING auch keine Stimmrechte, er darf jedoch zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat der Bank entsenden. Die beiden sind in dreierlei Hinsicht mit Vetorechten ausgestattet worden: im Falle von großen Übernahmen, wichtigen Entscheidungen hinsichtlich des ausstechenden Kapitals und Veränderungen in den Vergütungsregelungen. ING kann die Anteile jederzeit zu einem maximalen Kurs von 150 Prozent zurückkaufen.
ING hat darüber hinaus zugesagt, die eigene Vergütungspolitik offenzulegen, und in diesem Jahr von Bonuszahlungen für den Vorstand abzusehen. Auch sind künftige Abfindungen auf eine Maximalhöhe von einem Jahresgehalt begrenzt worden. Darüber hinaus wird ING in diesem Jahr von der Zahlung einer zusätzlichen Dividende absehen. Daher bleibt die insgesamt in 2008 ausgeschüttete Dividende pro Aktie bei den bereits ausgeschütteten 0,74 Euro pro Aktie stehen. Durch das Einfrieren der Dividendenzahlung entsteht ING eine Ersparnis in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. (mso)