Der US-amerikanische Autobauer General Motors (GM) will Opel nun doch nicht an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna verkaufen. Das gab GM-Chef Fritz Henderson am gestrigen Dienstagabend in Detroit bekannt. In Deutschland löste diese Nachricht Wut und Empörung bei Betriebsrat und Mitarbeitern aus.
Die monatelange Ungewissheit über die Zukunft des angeschlagenen Autobauer Opel findet kein Ende. GM möchte die deutsche Tochter behalten und sieht sich aufgrund des verbesserten Geschäftsumfeldes in der Lage, nicht zu verkaufen. Henderson erklärte: "Wir sind jetzt zuversichtlich, die Restrukturierung des europäischen Geschäfts selbst einleiten zu können." Das Geschäftsklima in Europa sei besser geworden. "Gleichzeitig haben sich auch die finanzielle Gesundheit und Stabilität von GM insgesamt in den vergangenen Monaten deutlich verbessert, was uns die Zuversicht gibt, dass das Europa-Geschäft mit Erfolg restrukturiert werden kann."
Der GM-Chef meinte, Opel zu behalten sei "der stabilste und kostengünstigste Ansatz, die Zukunft von Opel/Vauxhall auf lange Sicht zu sichern." Der GM-Plan sehe Restrukturierungskosten in Höhe von rund drei Milliarden Euro vor.
Magna-Chef Siegfried Wolf, dessen Konzern nun auf den Kauf von Opel verzichten muss, zeigte sich hingegen gelassen: "Wir werden Opel und GM auch bei den künftigen Herausforderungen unterstützen." Wolf dankte allen Beteiligten für die "unermüdlichen Bemühungen und den Einsatz während der letzten Monate." Magna verstehe, "dass es im besten Interesse von GM ist, Opel zu behalten, da es eine wichtige Rolle in der globalen GM-Organisation spielt."
Die Opel-Treuhand war der Meinung, die GM-Entscheidung bedürfe nicht ihrer Zustimmung. Fred Irwin, Vorsitzender des Beirats hoffe, "auch im Interesse der Beschäftigten bei Opel, dass dieser Beschluss Opel zu neuer wirtschaftlicher Stabilität verhilft."
In Deutschland sorgte die die GM-Entscheidung für Empörung. So forderte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm die Rückzahlung der Brückenfinanzierung von 1,5 Milliarden Euro "entsprechend den vertraglich vereinbarten Konditionen fristgerecht." Er kritisierte: "Mit dieser Entscheidung ist ein Investorenprozess abgebrochen worden, der über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten von allen Beteiligten - einschließlich GM - intensiv geführt wurde." Der Plan des von der Bundesregierung favorisierten Käufers Magna habe eine "überzeugende, industrielle Logik" aufgewiesen.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) verurteilte die Entscheidung von GM als "völlig inakzeptabel" für Arbeitnehmer und die Bundesregierung. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch zeigte sich "sehr betroffen und verärgert, dass die monatelangen Bemühungen, für Opel Europa eine möglichst gute Lösung zu finden, an GM gescheitert sind" Er forderte die Rückzahlung des Überbrückungskredits bis 30. November.
IG-Metall-Chef Berthold Huber meinte, es sei ein "unglaublicher Vorgang, 50.000 Beschäftigte in Europa einer monatelangen, nervenaufreibenden Hängepartie auszusetzen und am Ende eine nicht nachzuvollziehende Kehrtwende zu machen."
Klaus Franz, Vorsitzender des europäischen Gesamtbetriebsrats und Opel-Konzernbetriebsratschef, drohte bereits mit Streiks, die am morgigen Donnerstag in Deutschland und anschließend europaweit stattfinden sollten, da er die Werke in Antwerpen, Kaiserslautern und Bochum als "akut gefährdet" betrachtete. Er kündigte an: "Den Weg zurück zu General Motors werden wir nicht mitgestalten, sondern unsere klassische Schutzfunktion für die Belegschaften wahrnehmen." Das Konzept von GM sei nicht tragfähig für die Beschäftigten. Der Opel-Betriebsratschef forderte außerdem von GM, die ausstehende Lohnerhöhung für dieses Jahr auszuzahlen, auf die die Mitarbeiter zugunsten der Liquidität von Opel verzichtet hatten.
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Im 'ZDF-Morgenmagazin' spekulierte Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte und Professor an der Uni Duisburg-Essen: "Ich selbst rechne mit Werksschließungen. Antwerpen mit Sicherheit. Dann glaube ich, ... dass bei den deutschen Standorten überhaupt nichts sicher ist." Dudenhöffer rechne außerdem mit Personalabbau und den Verlust der Marktanteile in Europa, denn "das ist der härteste Markt, den es gibt. Und der Markt Russland wird schwieriger werden für General Motors." Er prophezeite: "Die Verlustphase wird nicht gestoppt werden können. Ich glaube, General Motors hat eine Entscheidung getroffen, die selbst General Motors in den USA aufs stärkste bedrohen wird." Dudenhöffer glaube, "die überschätzen sich selbst."