Nach einer spektakulären Kehrtwende hat der größte Gewerkschaftsverband Italiens, die ex-kommunistische CGIL, am gestrigen Donnerstag den Übernahmeplan für die schwer angeschlagene Airline Alitalia gebilligt. Damit ist das vorletzte große Hindernis für eine Rettung des Carriers aus dem Weg geräumt. Nun muss nur noch eine Einigung mit den Hardlinern der Pilotengewerkschaft erfolgen. Die Lufthansa scheint derweil wieder an vorderster Front um den großen italienischen Markt mitzuverhandeln.
Sollten sich die Vertreter der Piloten doch noch einem Übereinkommen verweigern, wollen die anderen Gewerkschaften im Notfall nun sogar über deren Kopf hinweg die Belegschaft befragen. CGIL-Chef Guglielmo Epifani sprach davon, „ein kleines Opfer nun zu begehen, um in Zukunft dafür belohnt zu werden." Währenddessen laufen fiebrig im Hintergrund die Verhandlungen mit Air France / KLM und der Lufthansa, um eine der beiden dominanten europäischen Airlines als Partner zu gewinnen.
Die Lufthansa ist dabei wohl mehr als nur ein Zuschauer, und offenbar in der Person des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Mayrhuber direkt an den Rettungsgesprächen beteiligt. Auf Rückfrage von EUROPOLITAN.de bestätigte Lufthansa-Sprecherin Claudia Lange am heutigen Freitagmorgen, dass sich Mayrhuber auf Bitten der italienischen Regierung zu Gesprächen in Rom befindet.
Der italienischen Tageszeitung 'Corriere della Sera' zufolge soll der Chef der Airline mit dem Kranich dort am gestrigen Donnerstag Berlusconis Chefverhandler und Staatssekretär Gianni Letta getroffen haben. Auch fanden heute morgen um 8 Uhr früh in der deutschen Botschaft in Rom Gespräche zwischen den obersten Vertretern der drei Gewerkschaften CGIL, CISL und UIL und Lufthansa-Emissären statt, verlautbarten Gewerkschaftskreise.
Italienischen Medienberichten zufolge nahm Mayrhuber ebenfalls an diesen Gesprächen teil, auch wenn die Lufthansa auf Nachfrage von EUROPOLITAN dazu keine Stellungnahme abgeben wollte. Die hochkarätige Besetzung der italienischen Gewerkschaftsdelegation lässt dies aber vermuten.
Während auf der einen Seiten den Pilotengewerkschaften nachgesagt wird, dass sie für eine Partnerschaft mit dem niederländisch-französischen Giganten tendieren, mehren sich Stimmen, die vehement für eine Zusammenarbeit mit dem deutschen Branchenprimus eintreten. So titelte die Mailänder Finanzzeitung ‚Milano Finanza' heute auf der ersten Seite: "E adesso sotto con Lufthansa" (zu Deutsch: Und jetzt ran an die Lufthansa).
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Nach dem heutigen Treffen scheinen auch die drei größten Gewerkschaften von der Notwendigkeit dieser Option überzeugt. Luigi Angeletti, Vorsitzender der Gewerkschaft UIL, begründete diese Präferenz gegenüber der Sendung ‚Radio Anch'io' so: "Das hat natürlich nichts mit einem Urteil bezüglich der beiden Nationen oder der Qualität der beiden Airlines zu tun. Vielmehr geht es darum, dass Frankreich in Sachen Tourismus ein direkter Konkurrent Italiens ist. Und das ist ein wichtiger Aspekt."