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03.04.2008BERLUSCONI BEKOMMT SEINEN WILLEN

Air-France-KLM bläst die Alitalia-Übernahme ab - Airline-Chef geht

Die in Italien heftig umstrittene Übernahme der maroden Airline Alitalia durch die französische Air-France-KLM ist am gestrigen Mittwochabend gescheitert. Nach zähem Ringen mit den italienischen Gewerkschaften hat Air-France-CEO Jean Cyril Spinetta den Verzicht auf die Übernahme verkündet. Den Schritt begründete der Manager mit dem Verweis auf die von den Gewerkschaften vorgelegte "Gegen-Plattform" zur Rettung Alitalias. Diese sei für den franko-holländischen Konzern nicht tragfähig.

Mit sofortiger Wirkung trat daraufhin der amtierende Alitalia-Chef Maurizio Prato zurück. Ausgebrochen ist im Stiefelstaat nun ein wirtschaftspolitischer Totentanz: Erwartet wird ein publizitätsträchtiges Zusammenkrachen Alitalias mit positiven Auswirkungen auf die Wahlchancen von Medienzar Berlusconi.

Wie durch ein Lauffeuer war am gestrigen Mittwochabend in Rom die neueste Nachricht im Übernahmefall Alitalia plötzlich in aller Munde: Nach einer entscheidenden Sitzung mit den acht (!) relevanten Gewerkschaften warf der letzte verbliebene Bieter, der frankoniederländische Luftfahrtkonzern Air-France-KLM, das Handtuch, und sah mit sofortiger Wirkung von einer Übernahme ab. Zu überzogen erschienen Air-France-CEO Spinetta die Forderungen, mit welchen die Gewerkschaften ihre hegemoniale Position innerhalb der gründlich kaputtgewirtschafteten Alitalia mit in die neue Eignerstruktur hatten hinüberretten wollen. Alitalia-Chef Maurizio Prato liess sich vor dem Hintergrund des Debakels nicht lange lumpen, und reichte knapp 20 Minuten später selbst den Rücktritt ein.

Bezeichnend daraufhin die Reaktion des katholischen Gewerkschaftssprechers Raffaele Bonanni (CISL): "Wir erwarten nun, dass die Regierung ihre Stimme erhebt, und sowohl Air France, als auch die einzelnen Gewerkschaften an den Verhandlungstisch zurückbringt" - von Demut angesichts des angerichteten Debakels also nicht die geringste Spur, bewußt ist man sich über das Gefangensein in den Kategorien des Wunschdenkens offensichtlich mitnichten. Am heutigen Donnerstag um 13 Uhr tagt nun der Verwaltungsrat der Luftlinie, kurz darauf kommen auch die Minister der geschäftsführenden Regierung des demissionären Premiers Romano Prodi zusammen, um die Scherben des geplatzten Deals zu begutachten.

Mit den Worten "dieser Vorschlag ist nicht akzeptierbar, weil er über die Grenzen meines Mandats hinausgeht" war Jean Cyril Spinetta vom Verhandlungstisch aufgestanden, und hatte damit das Ringen um das Überleben von Alitalia für beendet erklärt. "Ich bin persönlich gegen diese Vorschläge, die Positionen der Gewerkschaften hätten Monate gebraucht, um hinsichtlich ihrer unternehmerischen Auswirkungen ausgeleuchtet zu werden, und diese Zeit steht Alitaia nicht mehr zur Verfügung". In der Tat hat Alitalia in den vergangenen acht Jaren ihrer Existenz insgesamt sechs mit verheerenden Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe abgeschlossen, auch gegenwärtig verbrennt die Airline in den Nationalfarben Italiens ziemlich genau eine Million Euro pro Tag.

Die Gewerkschaften hatten indessen im Vorfeld des fatalen Treffens das von Air France geplante Investitionsprogramm über eine Milliarde Euro als "zu niedrig" bezeichnet, und ebenfalls die zur Sanierung notwendige Schließung der Cargo-Sparte strikt abgelehnt. Sie hatten zu einer anhaltenden staatlichen Beteiligung des italienischen Finanzministeriums aufgerufen - was in eklatantem Widerspruch zu den Grundbedingungen des Deals gestanden hatte, demzufolge Air France die 49,99 Prozent des italienischen Staates im Gegenzug für die eigene Rettungsbereitschaft komplett übernehmen sollte. Der noch amtierende Alitalia-CEO Maurizio Prato zog nach dem Scheitern mit den Worten "hier ist ein Exorzist vonnöten" auch persönlich die Reißleine. "Ich bin gescheitert und muss ein personelles Zeichen setzen."

Indessen fallen die Kommentare aus der italienischen Politik unterschiedlich aus. Vor allem die separatistisch eingestellte Liga Nord frohlockt, hatte sie doch bereits im Vorfeld den Verzicht auf den Malpensa-Hub in der Nähe Mailands als bittere Pille schlucken müssen: "Unsere Partei fiebert einem Scheitern der Verhandlungen entgegen", so Liga-Politiker Roberto Maroni im Videochat mit Lesern der Tageszeitung 'Corriere della Sera'. Der gestürzte aber noch amtierende Ministerpräsident Romano Prodi spricht indessen von einem "groben Fehler, den die Gewerkschaten auf ihre Kappe nehmen müssen".

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Als lachender Dritter steht nun wie so oft Medientycoon Silvio Berlusconi da. Da zu erwarten ist, dass Alitalia kurz vor den anstehenden Neuwahlen mit großem Rauschen pleite geht, bietet sich ihm wie auf dem Silbertablett eine weitere Schlappe an, die er der Regierung Prodi im Wahlkampf anlasten kann. Dass er selbst mit jüngsten Äußerungen, er unterstütze als wahrscheinlicher kommender Regierungschef die Air-France-Übernahme nicht, das Debakel mit ausgelöst hat, verschweigt er dabei geflissentlich.

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