Die Fluggesellschaft Air Berlin ist europaweit zu stattlicher Größe herangereift, und kann für das vergangene Geschäftsjahr bessere Zahlen als der Rest der Branche vorweisen. Ein Wachstumsfeld soll in den kommenden Jahren insbesondere der italienische Markt sein, wie EUROPOLITAN aus dem Unternehmen erfuhr.
Der Kurs steht fest: Luftfahrt-Shootingstar Air Berlin hat sich in Europa in den vergangenen Jahren eine starke Position erarbeitet, und will das stete Wachstum auch in Zukunft fortführen.
Zwar ging das Krisenjahr 2009 auch am Berliner Unternehmen nicht spurlos vorbei, verringerte sich doch die Gesamtanzahl transportierter Passagiere zum ersten Mal in der Konzerngeschichte von 28,6 auf 27,9 Millionen. Auch ließ der Umsatz eine Delle von rund 160 Millionen Euro von 3,4 auf 3,24 Milliarden verzeichnen. Dennoch steht unterm Strich ein Verlust von 9,5 Millionen, der im Vergleich zu den 112 Millionen bei Konkurrent Lufthansa dann doch eher gering anmutet.
Gleichzeitig rückt Air Berlin operativ in vielen Bereichen immer näher an die Flugline mit dem Kranich heran - und zwar sowohl in Deutschland, als auch in Europa. Zum einen gewann die von Vorstandschef Joachim Hunold (60) geführte Gesellschaft in Deutschland auch 2009 an den meisten Drehkreuzen Marktanteile hinzu. Zum anderen ist Air Berlin mittlerweile, wenn man die von den Kartellbehörden noch zu genehmigende Aufstockung der Anteile auf 49,9 Prozent in Flyniki mitberücksichtigt, bereits der fünftgrößte Player auf dem europäischen Markt.
Zwar ist die Lufthansa noch in einer anderen Dimension beheimatet, transportiert sie doch in Europa im Jahr etwa 50 Millionen Passagiere mehr als Air Berlin. Trotzdem machen die eifrigen Hauptstädter der Lufthansa bereits in zwei europäischen Märkten die Führungsposition bei den deutsch-ausländischen Verbindungen strittig - und zwar in den mengenmäßig nicht gerade unbedeutenden Destinationen Italien und Spanien.
Mit einem Marktanteil von knapp 30 Prozent ist in dieser Hinsicht vor allem Italien eine Überraschung, war doch bereits bekannt, dass Air Berlin auf den wichtigen Mallorca-Routen den Ruf eines Platzhirsches genießt. Besonders am italienischen Marktes ist allerdings, wie Unternehmenssprecherin Diane Daedelow gegenüber 'Europolitan.de' erläutert, dass nicht nur traditionell viele Deutsche nach Italien fliegen, sondern die internationale Besuchsfreudigkeit auch auf Gegenseitigkeit beruht, und immer mehr Italiener Deutschland aufsuchen.
Gerade in der deutschen Hauptstadt, wo es Air Berlin am Flughafen Tegel auf stattliche 42,8 Prozent Marktanteil bringt, ist der Trend besonders stark zu spüren. Im Jahr 2009 waren Italiener die mit 38 Prozent am stärksten wachsende Besuchergruppe in Berlin, und machten auf Jahresbasis bereits zehn Prozent aller Touristen aus. Ihre besondere Affinität zu Berlin wird auch dadurch deutlich, dass die Besucher aus dem Land der Pasta im Schnitt eine Nacht länger dort verweilen als ihre europäischen Mitbürger.
Folgerichtig ist ein verstärkter Fokus auf dem Italien-Geschäft für Air Berlin Pflicht, wie auch Daedelow betont: "Air Berlin peilt hier für die kommenden Jahre ganz klar überproportionales Wachstum an." Vergangene Woche hatte bereits Vorstandschef Hunold im Gespräch mit der italienischen Tageszeitung 'Il Sole 24 Ore' erste Details seiner Italien-Strategie preisgegeben: "Wir werden Ende 2010 in die Zukunft blicken", verlautbarte der Firmenboss, um dann einen politischen Hammer zu platzieren: "Im Augenblick wollen wir nicht ausschließen, dass wir dann auch eine Verbindung Rom-Mailand ins Angebot aufnehmen."
Die ertragreiche Route ist in Italien seit jeher ein Politikum, weil sie die eigentliche Cash Cow unter den inneritalienischen Verbindungen ausmacht. Sogar auf gesamteuropäischer Ebene gibt es neben Madrid-Barcelona kaum eine weitere Verbindung, die ein derartiges Verkehrsaufkommen verzeichnen läßt, wie Lufthansa-Sprecher Klaus Gorny Ende Januar gegenüber 'Europolitan.de' bekräftigt hatte.
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Aus diesem Grund ist auch die Airline mit dem Kranich an den ertragreichen Slots von Mailand nach Rom interessiert, musste sich aber bisher gedulden. Bis August 2011 gilt noch die so genannte Grace Period, welche die italienische Regierung der neu gegründeten Alitalia 2008 als Mitgift mit auf den Weg gab, um fürs Erste auf dem rauh umkämpften Luftfahrtmarkt überwintern zu können.
Bis dahin behält Alitalia eine Form von Monopolstellung auf der Route, wodurch dicke Margen und hohe Auslastungsquoten gesichert sind. Fällt das Monopol, wird jedoch nicht nur die Lufthansa prompt zur Stelle sein - sondern auch der umtriebige Newcomer Air Berlin.