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20.03.2008POPULIST MIT NEUER IDEE

Oskar Lafontaine lädt Josef Ackermann in Linkspartei ein

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, hat mit seiner Äußerung zu den Selbstheilungskräften des Marktes für hitzigen Gesprächsstoff gesorgt. Nun behauptet Ackermann zwar, missverstanden worden zu sein - doch die Kurskorrektur kommt zu spät. Aus Politik und Wirtschaft erschallen bereits sonore Backpfeifen. Linke-Parteichef Oskar Lafontaine verstieg sich sogar dazu, dem Bankier die Mitgliedschaft in seiner Partei anzubieten.

Ackermann hat mit seiner Forderung nach staatlicher Hilfe für angeschlagene Banken einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Zu Wochenbeginn hatte Ackermann die Lage der deutschen Börse mit der saloppen Äußerung kommentiert, er glaube in der Krise nicht allein an die Selbstheilungskräfte der Märkte. „Die Regierungen müssen Einfluss nehmen auf die Märkte", hatte Ackermann betont. Gemeinsame Aktionen von Regierungen, Zentralbanken und Kreditinstituten seien für die Wiederherstellung des Vertrauens in die globalen Finanzmärkte unabdingbar.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kontert in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung, er finde die Aussage „überraschend und widersprüchlich". Auch Bundesbankpräsident Axel Weber liess den Chef der Deutschen Bank in einem Telefongespräch wissen, dass die Banken erst mal selbst bei der Lösung der Finanzschwierigkeiten gefordert sind. Auch Reiner Brüderle, Vize-Fraktionschef der FDP, sparte nicht mit Kritik: Seiner Meinung nach dürften es sich die Banken nicht so einfach machen, und im Krisenfall laut nach der Hilfe des Steuerzahlers rufen.

Daraufhin hat Ackermann nun bedauert, dass seine Äußerungen zu einer „Systemdiskussion" zur Rolle des Staates geführt haben. Wie er gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erklärt, habe nicht die "geringsten Zweifel an der Stabilität des amerikanischen und des internationalen Bankensystems". Es sei ihm nicht um die Rettung von Investoren gegangen. Diesbezüglich seien seine Aussagen falsch verstanden worden.

Eine gänzlich ungewöhnliche Reaktion löste Ackermann bereits bei der ‚Linken' aus: Parteichef Oskar Lafontaine will dem Bankboss einen Mitgliedschaftsantrag seiner Partei zuschicken. An dem Ruf nach mehr Staat sei deutlich geworden „wie sehr die Banken den Karren bereits in den Dreck gefahren haben", so Lafontaine. Schröders ehemaliger ‚Superminister' für Wirtschaft und Finanzen forderte außerdem als mögliche Antwort auf die aktuelle Krise ein weltweites Regelwerk mit Kapitalverkehrskontrollen, um die Spekulation einzuschränken.

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Derweil fordern auch führende britische Banken eine stärkere staatliche Unterstützung bei der Beseitigung der Finanzmarktkrise. Dem Sender BBC zufolge wollten Chefs mehrerer britischen Großbanken ihre Position bei einem Treffen mit dem Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, am heutigen Donnerstag deutlich machen. (tde)

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