Die Inflation in der Eurozone hat im Juni ein Rekordhoch von vier Prozent erreicht. Die Verbraucherpreise stiegen so stark wie noch nie seit dem Start der Währungsunion im Jahr 1999. Preistreiber war der Ölpreis, der sich binnen eines Jahres fast verdoppelt hat. Der bisherige Rekordwert der Inflation von 3,7 Prozent im Mai wurde damit deutlich übertroffen. Die Europäische Zentralbank wird am Donnerstag voraussichtlich den Leitzins zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr anheben.
Die Teuerungsrate im Euro-Raum hat nach Angaben des Statistikamtes Eurostat im Juni mit vier Prozent ein neues Rekordhoch erreicht. Die Inflation im Juni übertraf den bisherigen Rekordwert von 3,7 Prozent im Mai damit noch einmal deutlich. Es ist das erste Mal seit Beginn der regelmäßigen Inflationsmessungen durch Eurostat im Jahr 1997, dass die Preise um vier Prozent über dem Vorjahresmonat liegen. Experten waren zuvor von einer Steigerung der Preise um 3,9 Prozent ausgegangen.
Hauptursache für den deutlichen Preisanstieg war das Rohöl, dessen Preis sich binnen eines Jahres praktisch verdoppelt hat. Ein Barrel Erdöl kostete am vergangenen Freitag 143 US-Dollar und damit mehr als jemals zuvor. Auch Heizöl und Kraftstoffe sind durch den gestiegen Rohöl-Preis deutlich teurerer geworden. Einen starken Preisanstieg verzeichneten im Vergleich zum Vorjahresmonat auch Lebensmittel.
Die vorläufige Schätzung bezieht sich auf frühe Datenangaben aus neun der 15 Staaten der Eurozone, darunter Deutschland und ist in der Regel sehr zuverlässig: Von den 24 vorläufigen Schätzungen der vergangenen zwei Jahre waren laut Eurostat 14 exakt, die übrigen zehn wichen nur um 0,1 Prozentpunkte von der endgültig festgestellten Inflationsrate ab. Genaue Zahlen und Details will Eurostat jedoch erst am 16. Juli bekannt geben.
Die Teuerungsrate in der Eurozone liegt inzwischen mehr als doppelt so hoch wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebt. Die Währungshüter in Frankfurt am Main sehen stabile Preise nur bei Raten von knapp unter 2 Prozent gewährleistet. Die EZB wird deswegen bei ihrer Sitzung am Donnerstag voraussichtlich auf die hohe Inflation reagieren und den Leitzins zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr von jetzt 4,0 auf dann 4,25 Prozent anheben.
In die Inflationsmessung von Eurostat gehen Lebensmittel- und Energiepreise, Wohnungsmieten und Telefongebühren, die Kosten für Kleidung, Körperpflege und Haushaltsgeräte, aber auch für Fahrzeuge, Unterhaltungselektronik und Restaurantbesuche ein. Eurostat berücksichtigt ebenfalls die Kosten für Bankdienstleistungen und Versicherungen.
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Für Deutschland hatte das Statistische Bundesamt am Freitag nach vorläufigen Berechnungen eine Jahresinflationsrate von 3,3 Prozent gemeldet. In der Bundesrepublik waren die Preise seit fast 15 Jahren nicht mehr so stark angestiegen wie im Juni.