Europas Regierungschefs üben sich derzeit in der Disziplin des Beruhigens - wie ein psychologischer Airbag im Crashtest. Es gebe in Deutschland und Europa keine Anzeichen für eine Rezession, sagte Angela Merkel am Dienstag in Berlin: "Europa gilt als ein Stabilitätsanker in der Weltwirtschaft." Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy kündigte an, kommende Woche bei einem Treffen mit Merkel sowie den Regierungschefs von Großbritannien und Italien Vorschläge für mehr Transparenz an den Finanzmärkten machen. Der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker, erwartet trotz der Turbulenzen keinen globalen Börsencrash. Dabei war der zu dem Zeitpunkt schon voll im Gange oder besser gesagt: im Fallen.
Schon seltsam, wie schnell Politiker vergessen. Im Zeitalter der Globalisierung glauben viele tatsächlich, dass sich Wirtschafträume „abkoppeln" könnten - dass Europa quasi unberührt bliebe von der Situation jenseits des großen Teiches. Sicher, die Eurozone ist von den USA nicht mehr ganz so abhängig wie vor 10 Jahren.
Aber „abgekoppelt" von der immer noch größten Volkswirtschaft sind die Europäer noch lange nicht. Zu sehen war das noch vor kurzem, als der steigende Eurokurs gegenüber dem US-Dollar in Deutschland Befürchtungen über Exporteinbußen schürte.
Eine Rezession in den USA würde auch Europa hart treffen. Sei es nun direkt durch Exporteinbußen, oder indirekt, weil andere Länder wie China den Großteil ihrer Waren in die USA exportieren. Wenn diese jedoch als Absatzmarkt einbrechen, kann auch die Volksrepublik den Motor der Weltwirtschaft nur schwer am Laufen halten, und seinerseits weniger aus Europa importieren. So mancher Marktbeobachter fürchtet einen globalen Dominoeffekt.
Und ganz in der Nähe, mitten in Europa, erwächst eine ähnliche Krise, wie in den USA: Angefacht durch die Subprime-Krise (Subprime: Kredite mit geringer Bonität) am US-Immobilienmarkt sinken derzeit auch die Immobilienpreise in Italien. Durch die zuletzt gestiegenen Immobilienpreise im Stiefelstaat hatten einige auf Kredit gekauft. Durch die fallenden Preise könnte eine ähnliche Bankkrise in der Eurozone drohen - immerhin gehören die italienischen Bankhäuser zu den größeren in Europa. Mal sehen, wie sehr die Politiker dann noch von einer „abgekoppelten Wirtschaft" sprechen und drohende Probleme einfach 'wegreden'.