Die Exportnation Deutschland steuert laut dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) der größten Wirtschaftskrise seit mehr als 50 Jahren entgegen. Die Ökonomen beziffern den Konjunktureinbruch im kommenden Jahr auf minus 2,7 Prozent. Besonders unter dem erwarteten Exportrückgang werde der Wirtschaftsstandort Deutschland leiden.
„Deutschland steht vermutlich vor der schwersten Rezession in der Nachkriegszeit", befürchten die Ökonomen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) mit Standort in Kiel. Nach Angaben des Instituts werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2009 um katastrophale 2,7 Prozent schrumpfen. Der Konjunktureinbruch wäre damit gleich dreimal so groß wie im bisher schlimmsten deutschen Wirtschaftsjahr 1975.
Bislang waren die Experten noch optimistisch von einem Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent ausgegangen. Erst im Jahr 2010 erwartet das Institut wieder eine Erholung und ein Wachstum von 0,3 Prozent. Ihre Ergebnisse teilten die Forscher am Montag der Öffentlichkeit mit. Das IfW zählt zu den sechs renommiertesten deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten.
In den vergangenen Monaten hätten sich fast alle Konjunkturindikatoren dramatisch verschlechtert. Deswegen sei bereits für das Winterhalbjahr 2008/2009 ein Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Produktion „wahrscheinlich", teilte das IfW mit. Die deutsche Wirtschaft steckt demnach schon jetzt in einer tiefen Krise. Im Herbst dieses Jahres sei nach Angaben des Kölner Forschungsinstituts das BIP um 4,5 Prozent geschrumpft.
Für das neue Jahr erwarten die Ökonomen ähnlich schlechte Zahlen. Prinzipiell sei ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft zwischen 0,8 und 4,6 Prozent möglich. Eine genaue Einschätzung sei jedoch aufgrund der Unsicherheit wegen der Finanzkrise nicht möglich.
Besonders hart könnten die erwarteten Ausfuhr-Rückgänge die Exportnation Deutschland treffen. Im Bereich des Außenhandels mache sich die Abschwächung der Weltkonjunktur zunehmend bemerkbar, schrieben die Forscher. Gerade die Nachfrage nach Investitionsgütern falle als treibende Kraft aus, die in den vergangenen Jahren den deutschen Export belebt habe. Das Institut prophezeit für das kommende Jahr einen katastrophalen Einbruch von 8,9 Prozent bei den Exporten. Erst im Jahr 2010 soll wieder ein Anstieg um 2,6 Prozent erfolgen.
Die befürchtete schlechte Konjunkturlage wird auch an den Arbeitnehmern und Arbeitgebern nicht spurlos vorüberziehen. So lasse sich der Arbeitsmarkt nicht von der Rezession abkoppeln, wie die Kieler Ökonomen mitteilten. Die Folge sei ein Anstieg der Arbeitlosigkeit im Jahr 2009 und 2010. Die Arbeitslosenzahl werde von 3,26 Millionen auf 3,67 Millionen im Jahr 2009 steigen. Im Jahr 2010 müsse sogar mit einem Anstieg auf 3,95 Millionen gerechnet werden.Die Arbeitslosenquote werde bis dann um fast zwei Prozentpunkte auf 9,5 Prozent ansteigen.
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