Nachdem der britische Premier Gordon Brown in letzter Minute eine Verabschiedung der umstrittenen EU-Richtlinie zu Alternativen Investmentfonds verhindern konnte, ist nun die Debatte über die Regulierung von Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften in vollem Gang. Jenseits aller Parolen der Politik entpuppen sich die Player der Branche dabei als Befürworter sinnvoller Regeln. Die Warnung von US-Finanzminister Timothy Geithner vor protektionistischen Tendenzen nehmen sie jedoch sehr ernst.
Auftakt zum Parforceritt: Um die letztendliche Ausgestaltung der EU-Richtlinie zu Alternativen Investmentfonds-Managern (AIFM) zeichnet sich für die kommenden Monate ein zähes Ringen ab.
Auf der einen Seite stehen britische Politiker wie der konservative Londoner Bürgermeister Boris Johnson, der eine "EU-Attacke" gegen die Hedgefonds- und Private-Equity-Branche am Werk sieht. Diese verwaltet von der britischen Hauptstadt aus in etwa 1.600 Milliarden Euro, und bildet die Speerspitze des Finanzplatzes London. Auf der anderen Seite stehen kontinentaleuropäische Politiker verschiedenster Couleur, die in den oftmals als "Heuschrecken" gebrandmarkten Investoren die Hauptschuldigen an der gerade erst überstandenen Weltfinanzkrise sehen und sie möglichst gründlich in die Schranken weisen wollen.
Jenseits aller ideologischen Parolen handelt es sich jedoch um ein äußerst komplexes Sachgebiet, wovon allein schon die Vielfalt der Subjekte kundet, die von der EU-Richtlinie betroffen sein werden. Dazu zählen einerseits die großen Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften, andererseits aber auch ein Sammelsurium weiterer Marktteilnehmer wie Venture-Capital-Gesellschaften, Immobilienfonds, Rohstofffonds und Infrastrukturfonds. Die legitimen Bedürfnisse all dieser Player mit den fundamentalen Sicherheitsaspekten des Gesamtsystems unter einen Hut zu bringen ist die eigentliche Herausforderung der europäischen Gesetzgebungsprozedur.
In den vergangenen Wochen und Monaten fanden daher hinter den Kulissen in Brüssel bereits intensive Verhandlungen statt, die zu einschlägigen Veränderungen im Richtlinienentwurf führten. Die mangelnde Transparenz dieses Prozesses hat nun jedoch erneut Kritiker auf den Plan gerufen. Beim Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' schrillt diesbezüglich wieder die Alarmglocke, in seiner aktuellen Ausgabe sprechen gleich vier Redakteure von "verwässerten Normen".
Angesichts des lauten Trubels in Medien und Politik rufen die von der EU-Richtlinie direkt betroffenen Player im Markt jedoch erstmal zur Besonnenheit auf. Dörte Höppner, Geschäftsführerin des für Private-Equity- und Venture-Capital-Gesellschaften zuständigen Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), resümiert gegenüber 'Europolitan.de': "Die kontrovers geführte Diskussion beruht vor allem darauf, dass der ursprüngliche Richtlinienentwurf der Europäischen Kommission mit sehr heißer Nadel gestrickt worden war und deswegen nur sehr unzureichend zwischen den einzelnen Fondsarten differenziert hatte. In dem anschließenden legislativen Prozess ging es zum einen darum, diese Differenzierung herzustellen. Vor allem aber ging es darum, eine effektive Aufsicht und Kontrolle für alle Fondsarten einzurichten, ohne die Kapitalströme innerhalb Europas sowie von und nach Europa grundlegend zu unterbinden."
Höppner warnt daher davor, den bisher gefundenen Kompromiss zu verteufeln. Ganz im Gegenteil biete eine vernünftige, einvernehmlich getroffene Regelung die Chance, weltweit als Vorreiter zu fungieren: "Deswegen kann von einer Verwässerung der Norm keine Rede sein. Vielmehr sind die derzeit vorliegenden Entwürfe der Richtlinie deutlich sachgerechter. Wenn die Ausgestaltung der Regulierung in dieser Form weitergeführt wird, kann am Ende ein Benchmark für die Regulierungssysteme in anderen Wirtschaftsregionen gesetzt werden."
Auch eine Insiderin aus dem Hedgefonds-Geschäft wertet die Tatsache, dass nun europaweit reguliert wird, im Gespräch mit 'Europolitan' positiv. Alessandra Manuli, Vorstandsvorsitzende der jüngst in New York preisgekrönten Hedge Invest SGR aus Mailand, unterstreicht: "In dem Entwurf sind sehr viele positive Aspekte enthalten, wie bessere organisatorische Vorkehrungen zur Authorisierung, genauere Anforderungen in puncto Transparenz, eine klarere Definition der Aufsichtsfunktion. Die Alternative Investment-Branche ist mit diesen Vorkehrungen einverstanden, in manchen EU-Mitgliedsstaaten wie Italien gelten sie im übrigen bereits."
Allerdings warnt Alessandra Manuli auch davor, der gegenwärtige Stand der Dinge könne negative internationale Spannungen zur Folge haben: "In dem Entwurf sind auch ganz klar protektionistisch angelegte Normen enthalten, die den europäischen Anlegern selbst schaden könnten", hebt die Branchenkennerin hervor. "Damit meine ich Normen, welche die Provider-Services der alternativen Investmentgesellschaften in ihrer Qualität beeinträchtigen können. Dazu gehört zum einen der Zwang, einen europäischen Zwischenhändler als Depotbank auswählen zu müssen - und zum anderen alles, was auch professionellen Playern den Kauf von nicht-europäischen alternativen Fonds erschwert, verunmöglicht oder verkompliziert."
Die Italienerin investiert im Auftrag ihrer Kunden mit ihren Fonds, die zuletzt durch die Bank weg überdurchschnittlich performten, selbst ausschließlich in Hedgefonds, weswegen sie den Markt besonders gut kennt. Dem europäischen Gesetzgeber stellt sie - unter einem entscheidenden Vorbehalt allerdings - ein zufrieden stellendes Zeugnis aus: "Insgesamt kann die anvisierte EU-Richtlinie die Branche wirkungsvoll disziplinieren, Investoren mehr Sicherheiten bieten und Regulierungsbehörden die richtigen Instrumente in die Hand geben, um das systemische Risiko zu kontrollieren. Notwendige Vorbedingung ist jedoch, dass unverfroren protektionistische Bestandteile wieder herausgenommen werden, die letzten Endes nur den europäischen Investoren selbst schaden."
Verwandte Artikel
Auch Höppner unterstreicht, dass europäischen Unternehmen weder die ausländischen Finanziers ausgehen, noch europäische Anleger daran gehindert werden dürfen, außerhalb des Kontinents zu investieren: "Europäische Unternehmen sind in hohem Maße auch auf außereuropäisches Kapital angewiesen, das sie unter anderem über die 'Gelenkstelle' Private Equity erreicht. Es geht auch darum, dass europäische Kapitalsammelstellen wie Versicherungen und Pensionskassen nach wie vor ihr Kapital zum Wohle der versicherten Pensionäre und Sparer gewinnbringend in beaufsichtigte außereuropäische Fonds anlegen können. Kurz: Die Kapitalmärkte brauchen einen einheitliche Aufsicht, ohne dass Europa zum Gefängnis oder zur Festung wird."