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Stabilitätspakt in der Krise

23.10.2008NOTSIGNAL AN DEN IWF

Forint im Sinkflug: Ungarn erhöht den Leitzins um drei Prozent

Die ungarische Zentralbank hat am gestrigen Mittwoch den eigenen Leitzins um spektakuläre 300 Basispunkte auf 11,5 Prozent erhöht, um den rasanten Wertverlust der eigenen Währung zu stoppen. Der ungarische Forint hatte seit Anfang September rund 16 Prozent seines Wertes eingebüßt. Das Land wird derzeit von der globalen Finanzkrise besonders hart getroffen – unter anderem, weil es nicht der Eurozone angehört.

Der Devisenmarkt reagierte auf die überraschende Entscheidung der ungarischen Notenbank am gestrigen Mittwoch mit einem kurzen Aufbegehren der Forint, der sich von 280,12 Forint pro Euro auf 271,50 Forint verstärkte. Anschließend fiel der Kurs in London jedoch wieder auf 274,35 Forint pro Euro, was unterm Strich einem sehr überschaubaren Plus in Höhe von 0,2 Prozent infolge des drastischen zinspolitischen Schrittes entsprach.

Infolge des unerwarteten Einschreitens der Zentralbank und die wenig erbauliche Reaktion der Märkte machten sich am gestrigen Abend auch in den anderen Finanzplätzen Osteuropas Angstszenarien hinsichtlich der eigenen Währungen breit. Vor allem in Polen und Rumänien gaben der Zloty respektive der Leu jeweils um 2,9 und 2,4 Prozent gegen den Euro nach.

Auf dem Parkett wird nun von weiteren Zinserhöhungen ausgegangen, um die eigenen Währungen zu schützen. Im Gespräch mit der britischen ‚Financial Times' äußerte Volkswirt Neil Sharing von der Capital Economics die Erwartungshaltung so: „Im allermindesten wird dieser Schritt dazu führen, dass das Abwärtsrisiko bei den Währungen in der Region es verhindert, dass mit den Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank mitgegangen werden kann".

Volkswirte gehen ihrerseits davon aus, dass die höheren zu erwartenden Zinsen den Einbruch beim Wachstum in der Region beschleunigen. Ungarn, das außerhalb der baltischen Staaten das am langsamsten wachsende Land in der Region ist, könnte daher im nächsten Jahr ebenfalls der Rezension anheim fallen. Ein Analyst der Danske Bank betont, dass die höheren Kosten der Kreditbeschaffung, die mit der Zinserhöhung einhergehen, nicht nur für das Wachstum desaströse Folgen zeitigen könnte, sondern auch die Kapitalbeschaffung der Banken drastisch verteuert.

Premierminister Ferenc Gyurcsany betonte derweil, dass seine Regierung voll und ganz hinter der ungarischen Zentralbank stehe: „Der Schritt war eine Folge heftigen spekulativen Drucks auf den Forint". Auch stellte die ungarische Regierung in Aussicht, eine anvisierte strategische Reserve in Höhe von 300 Milliarden Forint (1,1 Milliarden Euro) im Haushalt für 2009 zusätzlich erweitern werde.

Ungarn befindet sich derzeit in Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds, auch wenn es bislang noch zu keiner verbindlichen Abmachung hinsichtlich eines eventuellen Rettungspaketes gekommen ist. In der vergangenen Woche hatte die Europäische Zentralbank Ungarn eine zusätzliche Kreditlinie in Höhe von fünf Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

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Die Entscheidung zur drastischen Zinserhöhung führen Analysten darauf zurück, dass Ungarn eine enorme Verschuldung in Fremdwährung aufweist. Der Abwärtsdruck auf den Forint ist demnach vor allem darauf zurückzuführen, dass langsam Zweifel hinsichtlich der Fähigkeit Ungarns, seine Kredite zurückzuzahlen, aufkommen. Vor allem die Maßnahme ungarischer Banken, keine weiteren in fremder Währung denominierten Kredite zu vergeben, hatte die Alarmglocken läuten lassen. Offenbar sind bereits 85 Prozent aller in Ungarn vergebenen Kredite in Fremdwährung denominiert - was eine riesige Abhängigkeit der Realökonomie von Währungsschwankungen bedeutet. (mso)

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