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10.01.2005Europas Wirtschaftsköniginnen

Feste Hand mit Maniküre

Auch in der Wirtschaft sind Europas Frauen auf dem Vormarsch, und tragen ihren Teil zur Modernisierung des Kontinents bei. EUROPOLITAN beleuchtet die Situation in ausgewälten EU Ländern - und stellt Europas fixeste Unternehmerinnen vor.

Großbritannien

Hier fällt sogleich ein Name: Clara Furse. Mit ihr steht erstmalig in der Geschichte eine Frau auf der Kommandobrücke der traditionsreichen London Stock Exchange (LSE). Die 47-Jährige brachte frischen neuen Wind, brach veraltete Strukturen auf und lenkte die LSE durch die Börsenflaute.

Überhaupt scheinen englische Männer weniger Angst vor erfolgreichen Frauen zu haben. So waren neun der von der Financial Times ausgewählten 25 Top-Managerinnen Europas Engländerinnen. Doch sicherlich liegt das nicht an der Erfahrung mit einer Queen. Im weltweiten Vergleich des WEF liegen die Briten auf Platz sieben.

Frankreich

Wegen der Ganztagsschulen haben es die Damen hier etwas leichter. Das Umfeld stimmt eben und so liegt denn auch der Frauenanteil mit 35 Prozent über dem europäischen Durchschnitt, und das sogar trotz der höheren Geburtenrate.

Eine der bekanntesten Frauen der Wirtschaft des Landes ist Dominique Heriard Dubreuil. Sie erbte von ihrem Vater den Chefposten von Remy Cointreau, der unter anderem den bekannten Cognac produziert. Sie schaffte den Turnaround, in dem sie sich aufs Kerngeschäft konzentrierte.

Deutschland

Hier nennen die meisten sogleich die Modemacherin Jil Sander; danach fällt vielen nichts mehr ein. Dabei sind geschäftstüchtige Frauen auch bei den Germanen auf dem Vormarsch. So beispielsweise Susanne Birkenstock, die sich mit ihrer eigenen vor nicht langer Zeit gegründeten Firma SB International vom traditionsreichen Familienunternehmen Birkenstock trennte. Nicht nur die Europa-Expansion nach Frankreich und dem skandinavischen Markt treibt sie voran. Auch den Schritt jenseits des großen Teichs und auf den sandigen Grund der Vereinigten Arabischen Emirate wagt sie mit ihren Beautysteps, die bei Stars unlängst auch auf den roten Teppichen in Hollywood zu sehen waren.

Vorbildliche Firmen in der Frauenförderung sind die Lufthansa und Siemens. Beide haben so genannte Diversity-Programme. Dieses aus den USA übernommene Konzept soll fördern ohne Quoten zu bedienen. Statt dessen soll ein Umfeld geschaffen werden, in dem Frauen ihre Talente und Fähigkeiten rechtzeitig erkennen, ausbilden und ins Unternehmen einbringen; dabei aber die anderen Verpflichtungen auch berücksichtigend, wie beispielsweise durch Firmenindergärten, Home-Offices und flexible Gleitzeiten. Die Experten sind sich einig, dass solcher Aufwand sich letztlich für das Unternehmen lohnt. Immerhin nutzen auch Männer gewisse Programme, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Die Kraft die sie dort tanken, bringen sie in die Firma mit.

Italien

Auch im Heimatland der stolzierenden Papagallos und frechen Machos gibt es sie: Frauen mit steiler Karriere. Vielleicht auch, weil trotz mancher machistischer Vorurteile und emanzipatorischer Bewegung einige Bereiche traditioneller Rollenverteilung erhalten blieben. Das gibt immerhin Orientierung und nimmt den Geschlechterkampf mit einem lächelnden Auge die Schärfe. 

Miuccia Prada gilt als feurig. Für eine Südländerin ja nicht untypisch, doch ihr Understatement ist beinahe schon britisch. Durch ihr Studium der Politikwissenschaft gilt sie zu dem noch als Intellektuelle unter den Designern und brachte mit ihrem Nylon-Rucksack 1987 den Durchbruch. Eng arbeitet sie auch mit ihrem Ehemann Patrizio Bertelli zusammen. Als nächstes Ziel setzt sie sich den Börsengang in der ersten Hälfte 2005. 

Spanien

Der spanische Machismo ist sprichwörtlich, hat hier sogar einen Namen: Don Juan. Aber auch hier gibt es sie, die erfolgreichen Frauen. Sie könnte bald an der Spitze von Spaniens größtem Bankhaus Santander Central Hispano (SCH) stehen: Ana Botin hätte dank ihrer hervorragenden Ausbildung auf alle Fälle das Rüstzeug dazu ihren Vater Emilio Botin zu beerben und auch erfolgreich zu ersetzen. Schon seit zwei Jahren leitet die älteste von fünf Geschwistern eine Tochterfirma, die als viertgrößte Bank des Landes das Privatkundengeschäft der Santander Group abwickelt. Dort kann sie ihre vorzügliche Ausbildung am Bryn-Mawn-Mädchenkollege und Harvard einbringen, aber auch ihre Talente: Sie scheut auch nicht den direkten Kontakt zum Kunden. 

Finnland

Die scheue und daher auch recht wenig bekannte Sari Baldauf, Präsidentin von Nokia Networks, errang kürzlich in einem Ranking der Financial Times den ersten Platz unter Europas Managerinnen. Mit diplomatischer Eleganz und kühlem Sachverstand steuerte sie die Network Sparte durch die vergangenen, für alle schwierigen Jahre. Deswegen zollt ihr die Branche auch hohen Respekt. 

Schweden

Auch wenn Schweden in den Studien sehr gut abgeschnitten hat, das Paradies ist es für die Töchter Eva auch nicht. Laut WEF herrscht nirgendwo vollkommene Gleichberechtigung – irgendwie ist es wie der Einäugige unter Blinden. Aber immerhin hilft das ausgeklügelte und sehr effiziente System von Ganztagsschulen und anderen sozialen Diensten, sowie das Engagement der Firmen, ein besseres Umfeld zu schaffen. 

Die Schwedische Presse lobte ihre Professionalität: Marie Ehrling leitet als Schwedenchefin von TeliaSonera das größte Tochterunternehmen des Konzerns. Mit Teamgeist meistert sie schwierige Aufgaben, so auch den Abbau von Stellen und schließen von unprofitablen Geschäftsfeldern – und das trotz steigendem operativem Gewinn. Aber was Probleme angeht, so ist die Schwedin gestählt: Als 2001 ein SAS-Flugzeug auf dem Mailänder Flughafen stürzte und 100 Tote zu beklagen waren, musste Ehrling die Verantwortung übernehmen. Wegen ihres Mutes und ausstrahlenden Ruhe kürte die schwedische Presse sie daraufhin zur mächtigsten Businessfrau des Landes. 

Polen

Hier ist wie in den meisten osteuropäischen Ländern der Anteil der Frauen in Führungspositionen größer. Der Grund ist historischer Natur, denn die kommunistische Gesetzgebung verlangte absolute Gleichberechtigung.

Wanda Rapaczynski ist die Präsidentin des größten osteuropäischen Verlagshauses Agora. In der Branche gilt sie als kühle Kalkulatorin und kompromissloser Verhandlungspartner. Sie ist eine absolute Powerfrau: 1968, während die Blumenkinder Joints im Central Park rauchten, wanderte sie aus der Heimat in die USA aus, wo sie bei der Citibank Karriere machte. Dann 32 Jahre später kehrte sie in die nun nicht mehr kommunistische Heimat zurück und baute das Verlagshaus auf, welches sie 1999, nur neun Jahre später also, an die Börse brachte.

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