Investor und Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hat sich in seiner Eigenschaft als Politikberater zu Wort gemeldet und für einen großen europapolitischen Wurf plädiert. Gerade jetzt, inmitten der Schuldenkrise der europäischen Nationalstaaten, seien große Visionen gefragt. Eurobonds seien langfristig die Lösung. Vorher müsse aber die Fiskalpolitik zentralisiert, und durch ein gestärktes Europaparlament kontrolliert werden.
Die Uhr tickt: Vordenker und Unternehmer Nicolas Berggruen erwartet von den führenden Politikern Europas, dass sie sich jetzt zur europäischen Idee bekennen und mutige Schritte zur Rettung und Vertiefung des Einigungswerks einleiten.
Im Interview mit der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' vom heutigen Dienstag fordert der Investor, der Karstadt rettete, mehr Selbstlosigkeit im Dienste des großen Ganzen: "Die Politiker in Europa müssten jetzt bereit sein, unpopuläre Schritte zu gehen, die sie in den nächsten nationalen Wahlen vielleicht in die Niederlage führen, dafür aber der großen europäischen Idee dienen."
Mehr Einheit, und weniger kleingeistige Spaltungen seien die richtige Antwort auf die Herausforderungen der aktuellen Finanzkrise: "An einer wirtschaftlichen und politischen Gesundung Europas führt kein vernünftiger Weg vorbei. Wir brauchen Politiker, die die dafür notwendigen Schritte gehen - und dafür von den Wählern die Legitimation bekommen."
Eurobonds seien grundsätzlich Teil der Lösung: "Aber nicht kurzfristig, sondern nur im Rahmen einer langfristigen Lösung. Gemeinschaftliche europäische Anleihen darf es nur dann geben, wenn ganz klar ist, dass die Länder Europas zu unbedingter fiskalischer Disziplin gezwungen werden." Für den Umgang mit Defizitsündern müsse ein geeigneter institutioneller Rahmen bereitgestellt werden: "Eine geordnete Abwicklung oder aber von vornherein auch die Entmachtung nationaler Finanzpolitiken durch die entsprechende Stärkung des Europaparlamentes."
Die düstere Drohkulisse der Finanzmärkte biete auch ein einmaliges historisches Zeitfenster, um zu handeln: "Diese Krise ist genau die richtige Zeit, um die Reformschritte zu gehen, die wir brauchen. Jetzt gilt es, Europa auch für die nächsten Generationen attraktiv zu machen. Europa ist eine große Chance." In altes, nationalstaatliches Denken zurückzufallen bedeute, als Staaten einzeln politisch und wirtschaftlich ins Hintertreffen zu geraten. "Darunter werden wir alle leiden", so Nicolas Berggruen.
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Den südeuropäischen Ländern eine faire Chance einzuräumen sei gerade für die Deutschen auch eine intelligente Investition in die Zukunft: "Der deutschen Wirtschaft, den deutschen Unternehmen hat der Euro sehr geholfen. Die Volkswirtschaften der umliegenden Länder sind, mit deutscher Hilfe, stark gewachsen." Deutschland profitiere überproportional, sobald es gelinge, die südeuropäischen Länder wettbewerbsfähiger und wachstumsstärker zu machen. (mso)