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StartseiteDealsEconomicsDossier: Schwacher Dollar - hoher Ölpreis100 DOLLAR PRO BARREL

07.01.2008100 DOLLAR PRO BARREL

Der Ölpreis hetzt von Rekord zu Rekord

Das neue Jahr beginnt teuer für die Verbraucher. Am Mittwoch stieg der Ölpreis auf über 100 Dollar pro Barrel (159 Liter). Die unsichere politische Lage in vielen Förderländern, der schwache Dollarkurs sowie Spekulationen an den Märkten lauten die Gründe hinter dem Preisanstieg.

Seit Jahresanfang 2007 ist der Ölpreis bereits um 57 Prozent angestiegen. Noch vor zehn Jahren, im Jahr 1998, kostete das Barrel kaum über zehn Dollar. Inzwischen hat sich der Preis knapp verzehnfacht.

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Und er soll weiter steigen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet einen Ölpreis von 200 Dollar in zehn Jahren. Diesen Wert hält auch das Institut für Weltwirtschaft in Frankfurt für realistisch.

Politische Spannungen und Unruhen lassen Ölpreis steigen

Für den momentanen Anstieg sind Überfälle auf Ölförderanlagen in Nigeria verantwortlich. Die jüngsten Ereignisse in der Hafenstadt Port Harcourt haben Ängste vor Engpässen bei der Versorgung geweckt. Die ständigen Unruhen haben den Ölexport aus dem Niger-Delta innerhalb der letzten zwei Jahre um rund 20 Prozent sinken lassen. Nigeria ist der achtgrößte Ölexporteur der Welt.

Politische Spannungen können den Ölpreis beträchtlich beeinflussen. So dürfte der Anstieg seit Mitte Dezember auch auf die Unruhen in Pakistan zurückzuführen sein. Ebenso beeinträchtigt die politische Unsicherheit im ganzen nahen Osten den Ölmarkt.

Nachfrage in China, Indien und Russland wächst

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist aber auch die rapide ansteigende Nachfrage nach Öl. Die Motorisierung rund um den Global schreitet im Eiltempo voran. In China, Indien, aber auch in Russland steigt die Zahl der Autos stetig.

Vor allem in China wächst der Öldurst. In den letzten drei Jahren hat das Land 36 Prozent zum weltweiten Wachstum der Ölnachfrage beigetragen. Auch in Zukunft wird die chinesische Volksrepublik aller Wahrscheinlichkeit nach die globale Nachfrage massiv antreiben.

Ölfördermengen sinken

Dem gegenüber stehen die sinkenden Ölfördermengen. Liegt der geschätzte weltweite Tagesbedarf nach Öl bei mindestens 85 bis 86 Millionen Barrel, werden täglich nur etwa 85 Millionen Barrel gefördert. Der Grund liegt unter anderem an der immer teurer werdenden Produktion. Die leicht erschließbaren Ölfelder liefern beständig weniger. Wo noch Öl vorhanden ist, ist die Förderung meist mit hohen Kosten verbunden. Damit einher gehen niedrigere Ölreserven, die zusätzlich die Angst vor Versorgungsengpässen schüren.

Dollarverfall treibt Spekulanten zum Öl

Die OPEC selbst schiebt die Schuld an dem hohen Ölpreis auf Spekulationen an den internationalen Rohstoffbörsen. In der Tat bewirkt der schwache Dollar eine Umverteilung von Dollaranlagen auf Sach- und Rohstoffwerte, darunter das Öl. Vor allem Hegde-Fonds haben in den vergangenen Jahren ihre Investitionen verstärkt in den Öl- und Rohstoffmarkt verlagert. Dies treibt den Preis.

Der Verfall des Dollars ist sogar gleich auf mehrere Arten für den hohen Ölpreis verantwortlich. Denn weil Öl in Dollar gehandelt wird, will die OPEC durch Preissteigerungen ihre Verluste gegenüber anderen Währungen ausgleichen.

Die großen Ölproduzenten profitieren

Die großen Gewinner des hohen Ölpreises sind allen voran die Produzenten, wie Saudi-Arabien und Kuwait, sowie Russland, Venezuela und Iran. In Europa und den USA profitieren die großen Ölkonzerne, wie Exxon, BP, Chevron und Shell. Allerdings müssen die Konzerne einen Großteil ihres Gewinns durch höhere Förderkosten wieder einbüßen.

So verdienen vor allem die staatseigenen Ölgesellschaften der großen Förderländer. Die größte Energiegesellschaft ist Saudi-Aramco, gefolgt von der National Iranian Oil Company. Beides waren private Unternehmen, bis sie in den 70er-Jahren zu Staatsbetrieben gemacht wurden. Ähnliches gilt für den drittgrößten Ölkonzern der Welt, den venezolanischen Staatsbetrieb PDVSA, den Hugo Chávez Ende der 90er-Jahre Schritt für Schritt verstaatlichte.

Konjunktur bleibt trotzdem stabil

Doch trotz des Rekordpreises leidet die globale Konjunktur weniger als bisher angenommen. Ein Grund dafür ist die geringere Abhängigkeit vom Öl. Heute braucht es nur noch die halbe Ölmenge, um dieselbe Wirtschaftsleistung wie in den 70er-Jahren zu erwirtschaften.

Seit den damaligen Ölpreisschocks hat sich die Energieabhängigkeit der Wirtschaft deutlich verringert. Die heutigen Autos verbrauchen deutlich weniger Treibstoff, alternative Energien tragen deutlich mehr zur Versorgung bei, energiesparende Haushaltsgeräte und wärmedämmendes Bauen sind schon seit einiger Zeit auf dem Vormarsch.

Ölpreis war schon in den 80er-Jahren inflationsbereinigt teurer als heute

Doch unter Berücksichtigung von Inflation und Wechselkurs war Rohöl sogar schon in den 80er-Jahren teurer als heute. Zu Beginn des Kriegs zwischen dem Iran und dem Irak im Jahr 1980 kostete das Barrel nominell zwar nur 36,83 Dollar, doch inflationsbereinigt 90,46 Dollar. Auch deshalb erwarten Ökonomen keinen Konjunktureinbruch.

Für die Euro-Staaten trägt nämlich auch der starke Euro dazu bei, dass deren Bewohner den hohen Ölpreis nicht so sehr spüren. Der Dollar ist gegenüber dem Euro und auch anderen wichtigen Währungen seit Jahren auf Talfahrt. Dies bewirkt, dass die Euro-Staaten mit wertvollen Euros vergleichsweise billig in Dollar gehandeltes Öl kaufen können.

Wech: Nachfrage in Europa wird künftig fallen

Nichtsdestoweniger steigt die Nachfrage in Europa langsamer. Der Wiener Öl-Experte David Wech ist sogar davon überzeugt, dass die Nachfrage in Europa künftig „nicht mehr steigen, sondern fallen" wird. Dies sagte der Ökonom in einem Interview mit der österreichischen Zeitung „Die Presse".

Auch global wächst die Ölnachfrage mit geringerer Geschwindigkeit. Betrug das Wachstum der Weltnachfrage von 2003 bis 2005 noch durchschnittlich 1,9 Millionen Barrel pro Tag, wurde in den letzten beiden Jahren nur noch eine Millionen Barrel pro Tag nachgefragt.

EU-Kommission: Auswirkungen auf die Wirtschaft wahrscheinlich

Wech ist der Meinung, dass „sich der Preis auf dem derzeitigen Niveau stabilisieren wird". Durch den rasanten Preisanstieg verlangsame sich bereits die globale Nachfrage. Zudem gebe es genügend Ölförderung und ausreichende Raffineriekapazitäten. Unsicherheitsfaktoren sind für den Öl-Experten aber „die politische Komponente, der Euro-Dollar-Wechselkurs und die Wetterentwicklung".

Kritischer äußerte sich am vergangenen Donnerstag eine Sprecherin des EU-Wirtschaftskommissiars Joaquin Almunia. Die EU-Kommission fürchtet: „Wenn das hohe Niveau bleibt, wird es Auswirkungen auf die Wirtschaft haben." Wech gibt sich dagegen verhalten optimistisch. Der Österreicher meint: „Bis 2010-12 ist kein Engpass zu erwarten."

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