Der Chef der chinesischen Zentralbank, Zhou Xiaochuan, fordert eine Abkehr vom Dollar als internationale Leitwährung. Stattdessen solle eine internationale und von einzelnen Staaten ungebundene internationale Reservewährung unter Aufsicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) installiert werden. In den USA stieß der Vorschlag auf Ablehnung.
"Eine überhoheitliche Leitwährung, die von einer globalen Institution gemanagt wird, könnte genutzt werden, um globale Geldflüsse einerseits zu schaffen und andererseits zu kontrollieren", erklärte Zhou. Der Krisenausbruch und dessen rasches Ausbreiten hätten die Verwundbarkeit und die systemischen Risiken des derzeitigen internationalen Währungssystems gezeigt. Vize-Zentralbankchefin Hu Xiaolian regte an, den IWF zu stärken und zum Aufsichtsorgan des internationalen Finanzsystems auszubauen.
China sei bereit, dem IWF mehr Geld zur Verfügung zu stellen, wenn dieser eine "effizientere und zeitgerechtere" Finanzierungsmethode wähle und sich künftig durch die Ausgabe von Anleihen finanziere. China besitzt 681 Milliarden Euro in US-amerikanischen Staatsanleihen und ist damit neben Japan der größte Kreditgeber der USA. Außerdem verfügen die Asiaten mit zwei Billionen Dollar über die weltweit größten Währungsreserven.
Die Chinesen wollen ihre Vorschläge auf dem G20-Gipfel in London am 1. und 2. April einbringen. Auch Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz hatte Anfang der Woche in einem Interview mit dem 'Kölner Stadtanzeiger' ein globales Reservesystem gefordert. Das aktuelle, auf dem Dollar basierende System habe "fundamentale Mängel", so der Vorsitzende des UN-Ausschusses für die Reform der internationalen Wirtschafts- und Finanzordnung.
Verwandte Artikel
In den USA stieß der chinesische Vorschlag erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe. Sowohl Finanzminister Timothy Geithner, als auch der Chef der amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke, lehnten eine Abkehr vom Dollar als internationale Leitwährung in einer Stellungnahme vor dem US-Senat kategorisch ab. (stk)