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10.04.200750 Jahre EU: Der Euro - eine 'harte' Erfolgsgeschichte

Allen Unkenrufen zum Trotz

Was hatten die Kritiker nicht alles befürchtet: Weichwährung, politische Währung, ein schneller Tod. Nun sind sind die vermeintichen Experten verstummt: Denn ökonomisch hat sich die Währung bewährt. Nur emotional kommt sie noch nicht so recht an.

In kleinen, fast schon unscheinbaren und durchsichtigen Plastiktütchen kamen die ersten Münzen am 17. Dezember 2001 als neue Währung europaweit an die Bankschalter: das „Starter Kit“ des Euro war quasi das Einsetzen der Wehen. Diese dauerten in menschlichen Maßstäben gemessen ziemlich lange: Seine Geburt – auch als Schein – erfolgte dann zwei Wochen später am 1. Januar 2002.

Stabiler als der Musterknabe D-Mark

Während gewiefte Händler sich schon zu Anfang ein paar Euros durch den Verkauf von „Starter Kits“ aus dem Vatikan hinzuverdienten, sagten viele Experten der neuen Währung das Ende voraus. Die einen sahen sie als Weichwährung, die anderen kritisierten den Preisanstieg. Dabei ist der Euro stabiler als die viel gerühmte D-Mark: Die durchschnittliche Preissteigerungsrate seit seiner Einführung betrug 2,1 Prozent, die in der 50-jährigen Geschichte der D-Mark lag bei 2,8 Prozent. Seine relative Stabilität zum Euro bestätigte Ende 2006 auch Hans Reckers, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank im Deutschlandradio Kultur. Und nach mehreren Studien des Statistischen Bundesamtes seit 2002 lautet deren Fazit: „Unser Geld hat durch die Währungsunion nicht an Wert verloren.“ Rückblickend haben Euro-Miesmacher unrecht – wohl deswegen sind auch viele Experten aus diesem Lager verstummt.

Erfolg im Ausland

Statt dessen äußern sich viele Fachleute aus der Banken- und Finanzszene positiv für die Gemeinschaftswährung. Gegenüber dem „Handelsblatt“ sagte beispielsweise Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz: „Der schnelle Wertgewinn des Euros ist Ausdruck dieses Erfolges.“ Und wertmäßig hat der Euro sogar den US-Dollar, auch zärtlich „Geenback“ genannt, zum Jahreswechsel überholt: 628 Milliarden Euro waren zur Weihnachtszeit im Umlauf; die US-Notenbank „Fed“ meldete hingegen 760 Milliarden Bargeldumlauf, was 585 Milliarden Euro entspricht. Jedoch ist dieser Vergleich mit Vorsicht zu genießen, da die Amerikaner Bargeldlosen-Zahlungen per Kreditkarte schon bei einer Kaugummipackung tätigen – und somit auch weniger Bares brauchen. Dennoch wertete Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ diese Tatsache als positiv: „Auch der hohen Bargeld-Umlauf ist ein Ausdruck des Vertrauens.“ Immerhin stieg der Anteil den Notenbanken weltweit in Euro hielten von 18 Prozent per 1999 auf fast 25 Prozent in 2005 – zum Vergleich: in US- Dollar hatte 2005 einen Anteil von 66 Prozent.

Die Einheitswährung brachte auch mehr makroökonomische Gerechtigkeit: "Mit der Euroeinführung verloren die beteiligten Staaten endlich die Möglichkeit, ihre Binnenmärkte durch gezielte Währungsabwertungen vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. Vor der Einheitswährung war das leider recht häufig zu beobachten", sagt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und Ehrenpräsident von Euroshareholder. Denn zuvor nutzten Länder wie beispielsweise Italien ihre Weichwährung Lira um sich Exportvorteile zu verschaffen. Der deutsche Maschinenbau bekam dies oft genug zu spüren.

Keine Herzensangelegenheit

Doch wie kommt es dann, dass der Euro auch nach fünf Jahren seiner Einführung noch immer nicht die Herzen der Menschen erreicht hat? Immerhin sagen die Umfragen, dass 60 Prozent der Deutschen der D-Mark nachtrauern. Doch dies ist nicht ein alleiniges Problem der deutschen Herzen: Waren 2002 etwa 59 Prozent aller Befragten der 12 Mitgliedsländer der Ansicht, der Euro sei unterm Strich von Vorteil, so kam die gleiche Umfrage im September 2006 nur noch auf 48 Prozent. Viele Menschen hätten subjektiv das Gefühl, dass vieles teurer sei – daher auch die Verballhornung zum „Teuro“. Sie sprechen daher von „gefühlter Inflation“. Doch ist sie wirklich so gefühlt? Haben nicht viele Kneipen und Bars, Restaurantbesitzer und Reinigungen, Frisöre und Kosmetiker, sowie zahlreiche andere Dienstleister die Einführung nicht benutzt für Preissteigerungen? Die Wirtschaftsexperten meinen „Ja“. Das hat das Herz der Verbraucher für den Euro einstweilen abkühlen lassen – die neuerliche Attraktivität muss er sich nun um so schwerer erarbeiten.

Andererseits spielt da sicherlich auch das aus der Psychologie bekannte Phänomen des „Goldenen Zeitalters“ eine Rolle. Allzu schnell verklären die Menschen ihre Erinnerungen, sehen das Positive in der Vergangenheit und vergessen das damalige Negative; im Hier und Jetzt steht hingegen das Negative im Vordergrund. Also muss man wohl abwarten, bis das schlechte Jetzt sich zum besseren Damals entwickelt.

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