Der regierende Formel-1-Champion Lewis Hamilton hat die gesamte Sportwelt überrascht und beim Grand Prix von Ungarn seinen ersten Saisonsieg gefeiert. Der McLaren-Pilot holte sich seinen zehnten Karriere-Erfolg vor Kimi Räikkönen auf Ferrari und Red Bull Fahrer Mark Webber, der nun erster Verfolger von WM-Leader Jenson Button ist. Überschattet wurde das Wochenende aber vom Horrorcrash von Felipe Massa, der noch immer im künstlichen Koma liegt.
Sensationelle Silberpfeile
Es war jedem Insider klar, dass sowohl McLaren als auch Ferrari auf dem winkeligen Budapester Kurs - von den Piloten oft auch „Monaco ohne Mauern" genannt - gut aussehen würden. Zudem kam den KERS-betriebenen Boliden auch die enorm lange Start-Ziel-Gerade entgegen. „Doch dass es so gut laufen würde, konnte wohl keiner von uns ahnen" strahlte Martin Whitmarsh, der Boss von Sieger Hamilton.
Lewis zeigte ein fehlerloses Rennen, stach am Start von Position vier kommend bereits in Kurve eins auf zwei vor und profitierte dann noch vom Ausfall von Polesitter Fernando Alonso, um seinen ersten GP-Sieg seit China 2008. "Der letzte Sieg fühlt sich so lange her an. Ich habe auf der Runde an die Box gesagt, dass ich so stolz auf die Jungs bin, denn wir geben nie auf. Und auch jetzt müssen wir dranbleiben", will Hamilton mehr.
Button hinkt wieder hinterher
WM-Leader Jenson Button und sein Brawn GP Team scheinen ihren Vorsprung endgültig eingebüßt zu haben. Denn entgegen den Hoffnungen, dass man bei heißen Asphalttemperaturen Red Bull wie zu Saisonbeginn abhängen könnte, mühte sich der Engländer 70 Runden lang mit einem stark übersteuernden Boliden um den Kurs und wurde am Ende abgekämpfter Siebter.
„Wir wissen nicht genau, was los ist, denn unser Auto fährt sich nicht mehr so, wie noch vor ein paar Rennen. Meine Reifen waren nach vier Runden schon am Ende und ich konnte nicht mehr mithalten", wirkte Button ratlos. Sein Vorsprung in der WM-Wertung schmolz nun auf nur mehr 18.5 Punkte.
Webber nun Verfolger Nummer 1
Neuer Zweiter ist nun Mark Webber, der als einziger der bisherigen Saison-Dominatoren aufs Podium kam. Der Australier hält nun bei 51.5 Zählern und hat somit auch Teamkollege Vettel (47) distanziert. "Das Ergebnis ist sicher eine kleine Überraschung, denn wir dachten schon, ein wenig schneller zu sein. Aber ich bin natürlich glücklich, dass wir dieses Ergebnis erzielt haben und wir sind immer noch bei der Musik", sagte der Australier, der sich noch immer als Teamplayer präsentiert.
„Wir können zusammen mit Sebastian gegen Brawn kämpfen. Wir konnten sie in den vergangenen paar Rennen deutlich schlagen, und wir hoffen, dass dies so weitergeht und wir ihnen ein paar Punkte wegholen können. Seb hatte ein schwaches Wochenende und verlor ein paar Punkte, aber er wird nach der Pause zurückkommen."
Schwarzer Tag für Alonso und Vettel
Pole Position Mann Fernando Alonso führte das Rennen zunächst souverän an, ehe ihn ein Bruch der Radmutter zurück und das Versagen der Benzinpumpe ganz aus dem Rennen warfen. „That's racing. Dann versuchen wir es in Valencia eben erneut", kommentierte der Asturier seinen Ausfall überraschend locker.
Red Bull Pilot Sebastian Vettel verlor am Start, wohl auch aufgrund der von ihm gewählten harten Reifen, viel an Boden und touchierte im Zweikampf in Kurve zwei mit Räikkönen. Dabei handelte er sich einen Aufhängungsbruch ein, der ihn in Runde 29 zur Aufgabe zwang. „Es war unmöglich mit dem Wagen weiter zu fahren. Schade, denn damit habe ich wichtige Punkte verloren", so der Heppenheimer.
Massa geht's besser
Laut jüngsten Angaben des Chefarztes im Budapester Militärspital geht es Felipe Massa, der im Qualifying bei über Tempo 200 von einer Feder am Helm getroffen wurde, den Umständen entsprechend. Der Brasilianer, der mit einem Schädel-Hirntraum, einer Platzwunde und Frakturen am Kopf eingeliefert wurde, liegt im künstlichen Koma.
Verwandte Artikel
Zwei Computertomographie-Untersuchungen verliefen allerdings problemlos und der 28-Jährige sollte sich langsam wieder erholen können. Ein Start in Budapest war unmöglich. Ob die einmonatige F1-Pause genügt, um ihn in Valencia wieder antreten zu lassen, ist fraglich. Michael Schumacher wird aber kein Comeback geben.