Nach seinen zwei Siegen in Serie strotzt Doppelweltmeister Fernando Alonso wieder vor Selbstvertrauen und will in China und Brasilien noch eins draufsetzen. In der Weltmeisterschaftsentscheidung wäre er bereit seinem Intimfeind Lewis Hamilton ein Schnippchen zu schlagen.
Fernando, lange sah es so aus als müsstest Du bald mit den Force India Piloten kämpfen, so langsam war Dein Dienstwagen. Nun hast Du zweimal hintereinander gewonnen. Woher kommt dieser Wandel?
In erster Linie durch harte Arbeit. Für uns ging zwar nie Gefahr von Force India aus, aber es stimmt, dass wir sehr weit hinter der Spitze lagen. Dennoch haben wir nie aufgegeben und immer weiterentwickelt. Und von der Teamstrategie her waren wir immer top, was auch der zweite Platz von Nelson (Piquet) in Hockenheim bewiesen hat.
Dennoch ist das Siegen in der Formel 1 für Renault nicht mehr „normal", oder?
Nein, aber das wird es hoffentlich wieder. Der erste Sieg in Singapur war eine totale Überraschung. Ich kam von P15, profitierte viel vom Safety Car und fuhr es dann nach Hause. In Japan fuhr ich von P4 zum Sieg. Das ist nicht so überraschend, aber wir waren eigentlich nicht schnell genug für Platz 1. Aber die anderen haben eben zu viele Fehler gemacht.
Kannst Du in China den dritten Erfolg in Serie holen?
So etwas kann man nicht vorhersagen, aber möglich ist es. Wir haben bewiesen, dass wir schnell, standfest und clever genug für Siege sind. Allerdings müssen die Umstände mitspielen. Momentan sind wir in etwa vier, fünf Zehntel langsamer als die Topteams. Aus eigener Kraft sind wir daher unter normalen Bedingungen noch nicht siegfähig, aber man soll nie nie sagen.
Zu Beginn des Jahres hast Du oft niedergeschlagen gewirkt. Nun scheinst Du wieder der Fernando Alonso zu sein, den wir alle aus den Weltmeister-Jahren kennen...
Es ist doch normal, dass man grübelt und nicht jubelt, wenn es nicht läuft. Aber ich war nicht niedergeschlagen. Wenn Du in der Formel 1 bestehen willst, musst Du, genauso wie wohl in den meisten anderen Jobs, immer an Dich und Deine Fähigkeiten glauben. Ich habe bewiesen, dass ich Weltmeister werden kann und das möchte ich wieder werden. Daher haben wir alles getan, um das Team voran zu bringen.
Weltmeister kannst Du dieses Jahr nicht mehr werden. Wer holt Deiner Meinung nach den Titel?
Grundsätzlich ist mir das egal, denn ich konzentriere mich in erster Linie auf mich selbst und meine Arbeit bei Renault. Die Chancen stehen wohl 50:50. Wer keinen Fehler macht, wird gewinnen. Aber wenn es zu einer Situation kommt, wo ich Felipe (Massa) helfen kann, werde ich das sicher tun.
Und Robert Kubica?
Er hat nicht das Material, um den Titel zu holen. Roberts BMW ist auf einem ähnlichen Niveau wie wir, und das ist nicht genug, um die Ferraris und McLarens anzugreifen. Wenn die beiden aber einen Fehler machen, kann er vielleicht davon profitieren.
Im kommenden Jahr gibt es ja einige Regeländerungen. Nun will die FIA noch weiter gehen und Einheitsmotoren vorschreiben. Wie siehst Du diese Entwicklung?
Für die Rennen selbst wäre es besser, denn dann wären mehr Teams siegfähig und die Meisterschaft wäre offener. Aber was mir bei der FIA oft fehlt, ist eine einheitliche Linie. Zuerst friert man die Motoren für fünf Jahre ein und nun will man die Regelung nach zwei Jahren wieder ändern.
Apropos ‚kommendes Jahr' - wo wird Fernando Alonso kommendes Jahr um Siege fahren?
Ich weiß es bereits. Und Du nach dem Saisonfinale in Brasilien auch (lacht).