Das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München sucht ab sofort deutschlandweit 1.200 Probanden für die sogenannte Schweinegrippe-Impfung - davon 300 bis 400 allein in der bayerischen Landeshauptstadt.
Während das Robert-Koch-Institut gestern 6.800 Fälle in Deutschland meldete, laufen die Forschungen am Impfstoff auf Hochtouren. Die Firma Novartis hat nun einen Impfstoff hergestellt, der die Pandemie eindämmen könnte. Testpersonen sollen nun mit dem Impfstoff, der inaktive Bestandteile des Schweinegrippe-Virus mit oder ohne Immunverstärker beinhaltet, geimpft werden. Die Forscher erhoffen sich dadurch Ergebnisse hinsichtlich Verträglichkeit und das Ausmaß der Stimulierung auf die körpereigenen Abwehrkräfte.
Mitmachen können Personen zwischen 18 und 60 Jahren, die keine Grippeimpfung in den letzten drei Monaten erhalten haben, über einen guten Gesundheitszustand verfügen und Frauen, die nicht schwanger sind. Sie sollten außerdem keine Unverträglichkeit gegen Hühnerei, -eiweiß oder -federn aufweisen. Fünf Arzttermine und fünf Telefoninterviews sind Pflicht. Die Probanden werden dreimal geimpft, wobei zwischen der ersten und zweiten Dosis drei Wochen liegen. Die letzte wird nach zwölf Monaten verabreicht. Bei jedem Arzttermin wird ihnen Blut abgenommen.
Sonnenburg beruhigt, dass man sich mit dieser Impfung nicht mit dem H1N1-Virus infizieren kann. Nichtsdestotrotz können auch bei dieser wie bei jeder anderen Impfung auch Nebenwirkungen auftreten: In den ersten drei Tagen kann der Proband an leichten Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle leiden. Seltener werden Verhärtung und Schwellung der zugehörigen Lymphknoten erwartet.
Für ihren „wesentlichen Beitrag für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen den neuen Grippeerreger", wie es Prof. Frank von Sonnenburg, stellvertretener Leiter der Abteilung für Infektionen- und Tropenmedizin des Klinikums der LMU formuliert, erhalten die Testpersonen 250 Euro. Die Studie umfasst etwa eineinhalb Jahre. Allerdings könne man nach 43 Tagen, also nach zwei Spritzen in den Oberarm, zwei Telefongesprächen und nach der dritten Blutentnahme, schon grünes Licht für eine großangelegte Impfaktion erhalten, sollten die Tests positiv verlaufen. Angestrebt wird die zeitlich gestufte Immunisierung von 25 Millionen Deutschen.
Die Chancen, dass der Impfstoff gut wirken wird, schätzt Sonnenburg gegenüber der ‚Süddeutschen Zeitung‘ hoch ein. Die Erfahrungen mit der Vogelgrippe halfen bei der Entwicklung des Impfstoffs. Parallel zu München sollen in Mainz Kinder probeweise geimpft werden. Das Team um PD Markus Knuf wartet allerdings noch auf die Zulassung der Ethik-Kommission. Matthias Gruhl, Abteilungsleiter Gesundheit im Bremer Senat, zweifelt allerdings an Sonnenburgs Aktion: "Wenn der Verlauf der Schweinegrippe so harmlos bleibt wie jetzt, wäre ein Massenimpfprogramm nicht gerechtfertigt."
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