In der letzten Oktoberwoche hat das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Verdopplung der Anzahl mit der Schweinegrippe neu infizierter Deutscher festgestellt. Da es sich dabei allerdings nur um diejenigen Patienten handelt, die auch wirklich auf das Virus hin getetest wurden, dürfte es eine wesentlich höher liegende Dunkelziffer an Infizierten geben.
Die Anzahl der Neu-Infektionen mit dem H1N1-Virus hat sich in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instutits (RKI) in der letzten Oktoberwoche stark ausgeweitet und mehr als verdoppelt. Lagen die Fälle von neu mit der so genannten Schweinegrippe infizierten Patienten in der 43. Kalenderwoche noch bei 3.075, waren es in der Woche darauf bereits 7.822 Menschen, die nachweislich an dem Virus erkrankt sind.
Nah am wahren Ausmaß der Pandemie sind diese Zahlen allerdings noch lange nicht, wie das Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' berichtet. Die beim Robert-Koch-Institut (RKI) registrierten Schweinegrippe-Infizierten basieren nämlich nur auf Fälle, bei denen eine aufwendige und nur sehr selten durchgeführte Labor-Untersuchung den Befund bestätigt hat.
Gérard Krause, Abteilungsleiter Infektionsepidemiologie beim RKI, erklärte daher gegenüber dem Magazin' "Eine genaue Abschätzung ist derzeit nicht möglich." Schließlich gehen bei weitem nicht alle Patienten zum Arzt, und bei den Infizierten weist eine nicht unerhebliche Anzahl einen dermaßen schwachen Krankheitsverlauf auf, dass es nie zur wirklichen Diagnose kommt.
Angesichts der rapide anschwellenden Zahl von Betroffenen rät das RKI zur Einhaltung persönlicher Hygienemaßnahmen und zur Impfung als wichtige Präventionsmaßnahme. Leider sei allerdings aber auch absehbar, dass vor diesem quantitativen Hintergrund auch die Fälle mit schwererem Verlauf weiter zunehmen werden.
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) reagierte indessen auf die jüngsten besorgniserregenden Informationen zum Verlauf der Neuen Grippe und vor allem auf die Probleme bei der Versorgung mit dem Impfstoff Pandemrix und setzte für den morgigen Mittwoch einen Impf-Gipfel in Berlin an.
Bereits am Montag beriet sich der neue Bundesgesundheitsminister per Telefon mit seinen Kollegen in den Bundesländern und bereitete die Konferenz in Berlin vor. Zusammen mit den Landesministern sollen die bislang aufgetretenen Probleme bei der Verteilung des Impfstoffs und beim Ablauf der Impfung besprochen werden. Darüber hinaus soll ebenfalls ein einheitliches Vorgehen bei der Schließung von Schulen und Kindergärten, die Erkrankungsfälle gemeldet haben, vereinbart werden. Bei dem Gipfel werden unter anderem auch Seuchenspezialisten sowie Vertreter des Impfstoffherstellers anwesend sein.
Ein Problem, das sich bereits zwei Wochen nach dem Anlaufen dieser größten Impfaktion in der Geschichte der Bundesrepublik herausgestellt hat, ist die grundsätzlich unzureichende Versorgung mit dem Impfstoff. Die jüngsten Schlagzeilen zur rasanten Ausbreitung der Schweinegrippe in Deutschland haben einen Ansturm der Bevölkerung in den Praxen ausgelöst, in einigen deutschen Bundesländern (Bayern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt) ist der Impfstoff bereits ausgegangen.
Rösler hat die Pharma-Industrie daher in einem Interview mit der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung' aufgefordert, den Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Gegenüber der 'Neuen Presse Hannover' äußerte sich der 36-Jährige jedoch optimistisch: "Der Impfstoff wird ständig nachproduziert und verteilt. Die Ausbeute bei der Impfstoffproduktion war bislang aber nach Auskunft der Hersteller nicht so hoch wie erhofft. Der Hersteller GSK hat sein Produktionsverfahren nun verbessert und so wird demnächst mehr Impfstoff pro Woche zur Verfügung stehen." Dennoch seien auch weiterhin Wartezeiten möglich.
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Anlass zur Besorgnis gab vor allem der letzte epidemiologische Wochenbericht des Robert Koch-Instituts zur Situation der Schweinegrippe vom gestrigen Montag. Die Zahl der Infizierten in Deutschland hat sich in der letzten Oktoberwoche insgesamt mehr als verdoppelt, im Bundesland Bremen hat sie sich sogar beinahe um das Achtfache erhöht. Trotz des relativ milden Verlaufs der Krankheit in Deutschland wurden inzwischen 14 Todesfälle bekannt und auch, wenn die Personen meist relevante Vorerkrankungen hatten, ist dies nicht in allen Fällen erwiesen. (mso/ssp)