Ein bedenkliches Phänomen greift um sich: Immer mehr Jugendliche kehren offenbar auf Partys ein, mit dem erklärten Ziel, danach zu erkranken. Bereits Anfang Juli lud eine Britin zu einer sogenannten "Schweinegrippe-Party" ein. Jugendliche wollten sich bewusst auf diesen Partys mit dem Influenza-A-Virus H1N1 infizieren, um später nicht mehr anfällig zu sein oder bei Wiederansteckung auf einen milderen Verlauf zu spekulieren.
Der Vize-Präsident des Robert-Koch-Instituts Reinhard Burger rät allerdings von der seltsamen Praxis ab: "Es spricht alles dagegen, dass die jetzt eher milde Verlaufsform eine Immunität hinterlässt für das Virus, wenn es sich vielleicht verändert und besser an den Menschen angepasst hat." Denn wenn man sich überhaupt einmal ansteckt, könne die Krankheit auch einen schweren Verlauf nehmen.
Mittlerweile spricht das Robert-Koch-Institut von 3.810 Schweinegrippefällen in Deutschland - Tendenz steigend. Vor allem Mallorca-Urlauber bringen das Mitbringsel der besonderen Art mit nach Hause. Am Ballermann findet sich alles, was ein Virus braucht, um sich rasch zu verbreiten: Menschenmassen auf engem Raum, exzessiver Speichelaustausch sowie ein durch Schlafmangel und übermäßigen Alkoholkonsum geschwächtes Immunsystem. Nicht zu vergessen die Sangria-Eimer, aus denen alle zusammen kräftig trinken. So wird aus der süffigen Party am Ballermann eine unbewusste Schweinegrippe-Party.
Während man der Grippe auf Mallorca eher gelassen gegenübersteht und 'Bild.de' von Jugendlichen berichtet, die fröhlich "Ohne Grippe fahr'n wir nicht nach Haus!" singen, spricht der Virologe Alexander Kekulé von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in der 'Passauer Neuen Presse' vom "Beginn einer riesigen Welle".
Das Schweinegrippe-Virus ist bisher in 160 Ländern aufgetreten. Schulschließungen sind auch in Deutschland nichts Neues mehr.
Vor den Promis macht die Schweinegrippe ebenfalls keinen Halt: Skandalrocker Pete Doherty, Harry-Potter-Star Rupert Grint sowie zwei der Sugababes hat es mittlerweile schon erwischt.
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Experten warnen vor noch mehr Ansteckungen im Winter, wenn die eigentliche Grippezeit beginnt. Mit Impfungen wird im September gerechnet. Vorher müssen sich noch Krankenkassen und Bund einigen, wer die Kosten tragen soll.