Am heutigen Donnerstag sind iranische Suchmannschaften bei der Bergung nach einem Flugzeugabsturz auf die Flugschreiber und Unfalldatenspeicher gestoßen. Nachdem ein Passagierflugzeug am gestrigen Mittwoch im Iran abgestürzt war, werden Spekulationen über die Hintergründe des Unglücks laut. Iranische Flugzeuge sind häufig in einem schlechten Zustand. Alle 168 Insassen der russischen Tupolew 154 sind am Mittwochnachmittag ums Leben gekommen.
Von den drei Flugschreibern konnten Bergungsarbeiter bislang zwei auffinden. Die sogenannten Black Boxes sind zwar beschädigt, können aber wahrscheinlich noch Aufschluss über die Unglücksursache geben. Wie ein Vertreter des Krisenstabes in Teheran nach Informationen der 'Agence France Presse' ankündigte, werden Experten die Daten auswerten. Die Absturzstelle gleicht einem Trümmerfeld aus verkohlten Körperteilen und Metallsplittern. Die BBC zitierte ein Mitglied der Suchmannschaft mit den Worten "Es gibt nicht ein einziges Teil, das wir identifizieren können."
Nach Informationen des BBC-Reporters Jon Leyne ist die schlechte Flugsicherheit des Iran chronisch. "Wegen von den USA verhängten Sanktionen ist der Iran auf eine zunehmend alte Flotte von Flugzeugen angewiesen und hat Probleme, Ersatzteile zu kaufen", analysiert der Journalist die Situation auf der Homepage des Senders. Obwohl sich die Sanktionen nicht auf russische Flugzeuge beziehen, sind auch diese Maschinen in schlechtem Zustand. Erst im Jahr 2006 war ein Flieger desselben Typs wie gestern im Iran verunglückt. Damals starben fast dreißig Menschen. Auch in den Jahren 2005, 2003 und 2002 hatte es tödliche Unfälle mit iranischen Flugzeugen gegeben. Vor sechs Jahren waren alle 320 Insassen einer russischen Maschine ums Leben gekommen.
Seit der Revolution im Jahre 1979 hat der US-amerikanische Flugzeughersteller Boeing keine Maschine mehr an den Iran verkauft. Die Sanktionen dauern damit schon dreißig Jahre an. Die Iraner sind damit auch daran gehindert, Ersatzteile oder europäische Flieger zu kaufen, die amerikanische Triebwerke beinhalten, wie etwa Airbus-Flugzeuge. "Die Sanktionen der Europäer und Amerikaner tragen Früchte", beschwert sich ein Leser bei Europolitan.de per Mail, "weiter so, Brown, weiter so, Obama, weiter so, Sarkozy, weiter so, Frau Merkel!"
Die iranischen Maschinen sind im Durchschnitt 22 Jahre alt. Das sei kein Problem, meint der iranische Flugexperte Masoud Mohajer nach Angaben der 'Associated Press' (AP). Doch die Wartung lasse zu wünschen übrig. Der Experte kritisiert, dass die Flugzeugbetreiber wegen fehlender Unterstützung durch die Regierung ihre Maschinen nicht in ausreichendem Zustand halten können. "Die Regierung kontrolliert die Preise. Das ist nicht profitabel für Airlines", äußerte sich Mohajer der AP gegenüber. Die Iraner seien gezwungen, Ersatzteile vor Ort im Ausland oder auf dem Schwarzmarkt zu kaufen.
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Die russischen Maschinen vom Typ Tupolew 154, von dem auch das abgestürzte Flugzeug war, kommen heute in den ehemaligen GUS-Staaten, im Nahen Osten, Osteuropa und bei der russischen Airline Aeroflot zum Einsatz. Am gestrigen Mittwoch war die Maschine noch im Flug in Brand geraten und in ein Feld gestürzt. Alle Insassen kamen ums Leben. Der Flieger der iranischen Fluggesellschaft Caspian Airlines war auf dem Weg von Teheran nach Eriwan. (nhe)