Wie die Bundesgesundheitsministerin am gestrigen Mittwoch in Berlin mitgeteilt hat, wird im kommenden Herbst die größte Impfwelle seit fast fünfzig Jahren über Deutschland hinwegrollen. Ab September soll der Impfstoff gegen die 'Neue Grippe' verfügbar sein. Geimpft werden sollen zunächst Risikogruppen.
Die Immunisierung gegen die sogenannte Schweinegrippe soll zunächst auf freiwilliger Basis für 25 Millionen Bürger stattfinden. Dabei handele es sich um Personengruppen, die beruflich einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind, wie etwa Polizei und Rettungsdienste. Zwar sei, so Gesundheitsministerin Ulla Schmidt laut 'tagesschau.de', die Schweinegrippe in Deutschland bislang "sehr moderat" verlaufen, doch könne die Krankheit gefährlich werden, wenn das Immunsystem des Patienten ohnehin schon angeschlagen sei.
Darum sollen sich auch Menschen, die leichter an der Grippe erkranken, etwa Diabetiker, Asthmatiker und Übergewichtige, impfen lassen. Schmidt erwartet zudem, dass Krankenhäuser und Firmen ihr Personal selbst impfen. In den kommenden Monaten will die Regierung die Einzelheiten, was Aufrufe zu Impfaktionen und Örtlichkeiten betrifft, klären. Das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline hat angeblich bereits Ende Juni mit der Produktion des Impfstoffs begonnen. Spätestens im Oktober sollen Ärzte die ersten Dosen verabreichen.
Die Gesundheitsministerin kündigte an, die Impfungen würden kostenlos sein. "Es ist ein Angebot", zitierte die 'Süddeutsche Zeitung' (SZ) die SPD-Politikerin. Die Bundesrepublik plant den Kauf von fünfzig Millionen Impfdosen, die für die Immunisierung von 25 Millionen Bürgern in zwei Durchgängen ausreichen sollen. Eine Verordnung soll die gesetzlichen Krankenkassen dazu zwingen, die Impfkosten zu übernehmen, damit ein einheitliches Angebot zur Verfügung stünde.
Die privaten Kassen zeigten sich "bereit, den auf uns entfallenden Anteil zu zahlen", zitierte die SZ einen Sprecher. Auch die gesetzlichen Kassen erklärten sich einverstanden, die Kosten zu tragen. Allerdings wollen sie nicht die Verteilung und Lagerung der Impfstoffe übernehmen. Eine Sprecherin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen äußerte sich in der SZ: "Das ist Sache der Länder." Zudem erwägen die Kassen, Arbeitgeber, die ihre Mitarbeiter in gefährdete Gebiete schicken, für die Impfkosten aufkommen zu lassen.
Unterdessen ist der Optimismus anderswo gedämpft. Die Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, äußerte sich besorgt über das Ausmaß der Grippe. Demnach stünde der Höhepunkt der Verbreitung noch bevor. Bis zu 25 Prozent der Weltbevölkerung würden durch H1N1 erkranken, berichtet der 'Guardian' in Berufung auf Chan. "Das wird wahrscheinlich nicht in einem Rutsch passieren", zitierte die Zeitung die WHO-Chefin, "es wird wahrscheinlich in zwei oder drei Wellen zurückkommen."
Chan steht den geplanten Impfungen skeptisch gegenüber. Die Chinesin schätzt, dass im August ein Impfstoff verfügbar sein sollte. "Aber einen Impfstoff verfügbar zu haben heißt nicht einen Impfstoff zu haben, dessen Sicherheit erwiesen ist", zitiert der 'Guardian'. Klinische Studien zur Erprobung des Impfstoffs würden weitere zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen.
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Die WHO macht sich besonders große Sorgen um die unterentwickelten Länder, denen weder das Antigrippemittel Tamiflu noch ein möglicher Impfstoff zur Verfügung stehen dürfte. Die Kapazitäten bei der Produktion für die Immunisierung sei bereits ausgelastet. "Auch hier muss ich die Frage stellen: Müssen die Entwicklungsländer am Ende der Schlange warten? Denn wenn das der Fall ist, werden sie noch nicht einmal in sechs Monaten einen Impfstoff haben", kritisierte Chan.