Der Vorsitzende der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven, hat zum gänzlichen Verzicht auf künstliche Bräunung aufgerufen. In den vergangenen Tagen war eine Kontroverse unter Experten darüber entbrannt, ob Sonnenbänke Krebs erzeugen. Die Krebsforschungsagentur IARC hatte Solarien zuvor in die hochste Krebsrisikoklasse eingestuft.
Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, unterstrich nun die Bedeutung der neuesten Erkenntnisse, und gab sich alarmiert.
Im Gespräch mit der 'Neuen Osnabrücker Zeitung' forderte der Experte nun mit Nachdruck, das am 10. Juli von Bundesrat verabschiedete Solarium-Verbot für Jugendliche unter 18 Jahren konsequent umzusetzen. Das Gesetz soll Anfang 2010 in Kraft treten. Zusätzlich warnte Nettekoven auch alle über 18, von Sonnenbänken fernzubleiben: "Auch Erwachsenen raten wir generell davon ab, sich künstlich zu bräunen."
Zum Schutz aller Menschen, die sich dennoch nicht vom Solarium-Besuch abbringen lassen, forderte Nettekoven, die gesetzlich erlaubte Bestrahlungsstärke weiter zu beschränken, und weitergehende Qualitätsgarantien der Bräunungsgeräte einzuführen und strikt zu kontrollieren.
Auch Hautärztin Ina Schulze erläutert gegenüber der RTL-Nachrichtensendung 'Punkt 12' noch einmal eindringlich die zu Tage getretenen Forschungsergebnisse: "Das neue an der vorliegenden Studie ist, dass man festgestellt hat, dass nicht nur der Verdacht einer Krebserkrankung durch häufiges Solarium besteht, sondern, dass das auch bewiesen wurde, dass man jetzt die Solarienbesuche gleichwertig gefährlich sieht wie Asbest-Vergiftungen, Arsen-Vergiftungen und Rauchen. Man hat auch festgestellt, dass das Auge geschädigt wird durch häufige Solariumbesuche, und dort auch Krebse - Tumore - auftreten können."
Am gestrigen Donnesrtag hatte es jedoch in der Fachwelt auch Widerstand gegen die neuerliche IARC-Einordnung gegeben. Zwei renommierte Forscher sprachen sich gegen die Vorgehensweise der Studie aus, die der Einstufung zugrunde lag. William B.Grant und Michael F. Holick, zwei der renommiertesten Wissenschaftler auf dem Gebiet der Vitamin-D-Forschung, bemängeln in verschiedenen Beiträgen in der Fachzeitschrift 'Dermato-Endoctrinology' die unausgewogene Zusammensetzung der für den Bericht verantwortlichen IARC-Arbeitsgruppe und die fehlerhafte Bewertung der dem Bericht zugrundeliegenden Datenbasis.
Die wichtigsten Argumente gegen den Bericht sind verkürzte und von der voraufgegangenen Analyse nicht abgedeckte Schlussfolgerungen. So seien beispielsweise die "weissen", vergleichweise harmlosen Hautkrebse in einen Topf geworfen worden mit dem gefährlichen, "schwarzen" Hautkrebsen. Beide Krebsarten sind aber sowohl in ihrer Struktur als auch in ihrer Entstehung völlig verschieden. Es gebe keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass mäßiges Sonnen den "schwarzen" Hautkrebs (Melanom) verursache könnte, so die Kritik.
Demgegenüber gebe es aber eine Vielzahl von Studien, die nachweisen, dass regelmäßiges, moderates Sonnen die Haut vor dem Melanom schützt oder zumindest "neutral" ist. Verschiedenen Studien zufolge ist es sogar das Sonnen und die dadurch erfolgte Bildung von ausreichendem Vitamin D-Serum im Blut, welches die Chance erheblich erhöht, ein Melanom zu überleben. In vielen Studien wird die Bedeutung von Erbfaktoren für die Melanombildung belegt - regelmäßige Besonnung gehört hingegen nicht dazu.
Vitamin-D-Forscher betonen, dass regelmäßige, moderate Besonnung im Freien oder im Solarium zu einem gleichmäßigen, gesunden Vitamin D-Spiegel im Blut führt. Eine ausreichende Vitamin D-Versorgung reguliert die Zellteilung und schützt vor vielen Krebsarten - enschliesslich dem Melanom. Auch chronische Erkrankungen, darunter Osteoporose, Osteomalazie und Muskelschwäche, Autoimmunerkrankungen wie Diabetes, Multiple Sklerose und TB, Herz- und Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, Nerven- und psychische Erkrankungen wie Alzheimer, Demenz oder Depressionen können durch einen hohen Vitamin-D-Spiegel verhindert odergeheilt werden.
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Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) hatte für unter 30-Jährige ein um 75 Prozent erhöhtes Risiko festgelegt, an Hautkrebs zu erkranken, wenn sie sich regelmäßig im Solarium bräunen lassen. Vorher hatte es seitens der IARC nur als wahrscheinlich gegolten, dass das Bestrahlen im Sonnenstudio krebserregend sei. Aufgrund der Ergebnisse hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Krebsgefahr infolge des Sonnenbadens unter der Bräunungslampe, in die höchste verfügbare Risikokategorie eingestuft. Damit steht der Gang ins Solarium auf einer Stufe mit Zigarettenkonsum und dem Umgang mit Asbest. (mso)