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07.07.2008SENSATION IN WIMBLEDON

Roger Federer unterliegt Rafael Nadal in "bestem Finale aller Zeiten"

Um 21:15 Uhr Ortszeit stand es fest: Roger Federer, König von Wimbledon, ist von seinem Thron gestürzt. Der Schweizer, der das wichtigste Tennisturnier der Welt die letzten fünf Jahre dominiert hatte, wurde in einem hochklassigen und dramatischen Finale vom Spanier Rafael Nadal in die Knie gezwungen. Fast fünf Stunden dauerte der Kampf, den Nadal schließlich in fünf Sätzen mit 6:4, 6:4, 6:7 (5:7), 6:7 (8:10), 9:7 für sich entscheiden konnte.

Damit platzte Federers Traum vom Rekord des sechsten Wimbledon-Sieges in Folge. Hinterher sprach Boris Becker aus, was viele dachten: "Es war das beste Wimbledon-Finale aller Zeiten".

15.000 Zuschauer erlebten vor Ort, wie der 22jährige Spanier Nadal den Thron von Wimbledon bestieg. Sie sahen auch, wie Roger Federer, sonst stets ein gefasster Sportsmann, nach Nadals Matchball weinend in seinem Stuhl zusammensackte. Der Schweizer sprach später von der „schlimmsten Niederlage" seiner Karriere, die ihn noch lange beschäftigen werde.

Auch der neue Champion war um Fassung bemüht, als er versuchte, seinen unglaublichen Triumph zu erklären: „Es war ein Erlebnis, das du nicht in Worte fassen kannst. Emotional wie nichts, was ich jemals auf einem Tennisplatz erlebt habe". Neutrale Beobachter hingegen waren sich schnell einig, dass sie eines der besten und hochklassigsten Tennis-Matches aller Zeiten zu sehen bekommen hatten. Und ganz nebenbei auch noch das längste Wimbledon-Finale überhaupt: Als Nadal nach 4 Stunden und 48 Minuten seinen Matchball verwandelte, war dieser in der Dunkelheit nur noch schwer zu erkennen.

In einem verrückten Match erwischte Nadal den besseren Start und gewann die ersten beiden Sätze. Doch der amtierende Champion Federer rappelte sich noch einmal auf und erkämpfte sich den dritten Satz im Tiebreak mit 7:6. Damit hielt er sich die Chance offen, mit seinem sechsten Triumph in Folge alleiniger Rekordhalter in Wimbledon zu werden; und den Schweden Björn Borg zu übertrumpfen. Doch bereits im vierten Satz hätte Nadal das Match für sich entscheiden können, hätte er nicht im erneuten Tiebreak zwei Mätchbälle vergeben.

So ging auch dieser Satz an Federer, und dem großen Showdown im fünften Satz stand nichts mehr im Wege. In der hereinbrechenden Dunkelheit lieferten sich die beiden Großmeister tolle Ballwechsel und gingen auch weiterhin volles Risiko, obwohl beide am Abgrund standen. Nach 288 Minuten verwandelte Nadal dann den Matchball, den viele Zuschauer schon gar nicht mehr erkennen konnten, der aber den Schlussstrich unter ein in jeder Hinsicht denkwürdiges Finale zog.

Damit verlor der Schweizer Weltranglistenerste Federer erstmals nach 65 Spielen wieder auf Rasenbelag. Außerdem rückt ihm Nadal durch seinen Sieg in der Weltrangliste langsam bedrohlich nahe - nur noch 545 Punkte trennen die beiden Weltklassespieler, die untereinander ein freundschaftliches Verhältnis pflegen. Bereits in den vergangenen beiden Jahren standen sich beide im Finale von Wimbledon gegenüber, jedoch konnte dort jeweils Federer seine Vormachtstellung behaupten. Nun also schlug die Stunde von Nadal, der im Halbfinale den Deutschen Rainer Schüttler in drei Sätzen besiegt hatte. Für viele Experten liegt mit dem Triumph des Spaniers die Wachablösung im Herrentennis in der Luft.

Denn auch, wenn Federer nach wie an erster Stelle der Weltrangliste geführt wird, sehen viele in Nadal die neue Nummer eins. „Wer die French Open und Wimbledon gewinnt, ist immer die Nummer 1", behauptete der frühere deutsche Wimbledonsieger Boris Becker, „da ist es egal, was der Computer sagt." Bisher galt Nadal nur als König des Sandplatzes, nun hat er auch auf dem „heiligen Rasen von Wimbledon" seine Klasse demonstriert - und wenn er seine aktuelle Form für den Rest des Jahres konservieren kann, könnte sich der Machtwechsel tatsächlich schneller vollziehen, als man denkt.

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