Das Finale der Australien Open versprach viel - und hielt es auch. In einem hochkarätigen Match bezwang Außenseiter Rafael Nadal Roger Federer in fünf Sätzen. Damit ist zum ersten Mal überhaupt ein Spanier Tenniskönig von Australien geworden, seit Andre Agassi ist Nadal zudem der erste Spieler, der auf allen Belägen einen Grand-Slam-Titel holte.
7:5, 3:6, 7:6, 3:6, 6:2 lautete das Ergebnis für den Spanier. Erst den dritten Matchball verwertete Nadal, zuvor war Federer vor allem an seinen Nerven gescheitert. In den ersten beiden Sätzen war der Schweizer noch besser und hatte unzählige Break-Chancen ungenutzt gelassen. Plötzlich führte der Spanier mit 2:1 Sätzen. Federer gab sich jedoch nicht geschlagen und holte sich den vierten Satz knapp.
Doch im alles entscheidenden fünften Satz war es Nadal, der die Nerven behielt. Beim Stand von 2:1 breakte der Spanier seinen Kontrahenten und ließ sich anschließend nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Sein Kontrahent hingegen haderte mit dem Schiedsrichter und auch mit sich selbst. Nach 4 Stunden und 23 Minuten war es schließlich Nadal der rücklings mit den Händen in der Luft auf dem Boden lag und seinen Triumpf genoss.
Beim anschließenden Shake-Hand am Netz zeigten sich beide gewohnt fair. Sie umarmten sich, Nadal tröstete Federer. In den vergangenen beiden Jahren - jeweils nach dem Finale in Wimbledon - ergossen sich die Emotionen noch in Tränen. Vor zwei Jahren war es Nadal, der weinte, nach einem der besten und dramatischsten Tennisspiele aller Zeiten im vergangenen Jahr war es Federer, der wie ein Häufchen elend nur mit letzter Mühe seine Tränenzurück halten konnte.
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Damals schien der Wechsel auf dem Tennis-Olymp vollzogen zu sein. Der ehemalige Sand-Spezialist aus Spanien schaffte das Unfassbare und hatte Federer ausgerechnet auf dessen Lieblingsbelag Gras bezwungen. Anschließend winkte die Nummer 1 in der ATP-Rangliste, später kam auch der Sieg bei den Olympischen Spielen in Peking dazu. Dass der Spanier nun auch auf dem Hartplatz in der od Laver Arena seinen langjährigen Kontrahenten bezwang, spricht eine deutliche Sprache. Der 23-Jährige ist zum Allrounder geworden, mit seinem 6. Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier sitzt Nadal verdient auf dem Tennis-Olymp.
Nach dem ersten Turnier des Jahres könnte nun der Angriff auf den Grand-Slam folgen, die Mutter aller Titel im Tennis. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Zwar ist Nadal für die French Open auf Sand klarer Favorit, aber vor allem in Wimbledon und bei den US-Open wird Federer Revanche nehmen wollen. Wie nah Sieg und Niederlage im Tennis beieinander liegen, ist auch bei den diesjährigen Australien Open wieder einmal klar geworden. Im Halbfinale - ein wahres Marathonmatch mit einer Spielzeit von 5h und 14 Minuten - gegen seinen Landsmann Fernando Verdasco stand Nadal noch kurz vor dem Aus, zwei Tage später ist er der gefeierte Held. (cai)